xxxxXx

Die NÖRPH

Es entsteht ein einzigartiger Treffpunkt am neuen Campus der HAWK / Fakultät G, der einen konkreten Bezug zu der Hochschule und dem neuen Gelände herstellt und der die Studierenden und Hochschulangehörigen auf traditionelle Weise zum (Informations-) Austausch und Verweilen anregt.
Zum einen soll dieser Ort ein klaren Orientierungspunkt für Studierende und Mitarbeitende auf dem Campus geben , an dem Studierende, Professoren und Hochschulangehörige sich treffen und vernetzen können. Dies ist besonders für Kreative elementar wichtig, denn ähnlich wie im Gehirn bilden sich durch Informationsfluss und Input neue Nervenverknüpfungen und -strukturen. Wissen wird generiert und aus innovativen Zusammenschlüssen entstehen großartige Projekte.
Um diese Analogie aufzuzeigen, erschufen wir eine zweidimensionale Nervenstruktur, deren  Ausgangspunkt der Grundgriss des neuen Campus ist . Die fünf Gebäude stellen die Nervenknoten des „Systems Hochschule“ dar. Dort sind die Ballungszentren des Campus, in denen besonders viel Wissen vermittelt wird und ein reger Austausch statt findet. Gleichzeitig wird so der Rückschluss des Treffpunktes auf den Standort der Fakultät G gezogen und dieser zum Unikat.

Im nächsten Schritt experimentierten wir damit, die Nervenstruktur in eine dreiminensionale Form zu bringen und testeten an verschiedenen Vormodellen den Schattenwurf und Lichteinfall. Dabei stellten wir fest, dass die verästelten Schatten, die sich bei starker Sonneneinstrahlung kontrastreich bilden, sich dort aufhaltenden Personen und umliegenden Gebäude mit in die Struktur einbeziehen und sie so Teil des Treffpunkts und des “Gehirns HAWK” werden. Ein Effekt, der unser Konzept unterstützt und ihm mehr Tiefe verleiht.

Es soll die Studierenden aus den bereits existierenden Ballungszentren, sprich den Gebäuden, hin zu unserem Treffpunkt ziehen, damit dort ein neuer Ort des unabgelenkten Austausch und der unmittelbarer Vernetzung entstehen kann – ähnlich wie bei einem Magneten. Aus diesem Grund untersuchten wir Magnetfeldstrukturen und -linien. Deren ganz eigene, unverkennbare Ästhetik besteht darin, dass sie auf den ersten Blick chaotisch und willkürlich anmuten. Bei genauerer Betrachtung ist jedoch sichtbar, dass ihnen eine bestimmte Logik und Ordnung zugrunde liegt, eine Wirkung, die sich auf manch gestalterischen Prozess übertragen lässt.

Um diese Form wieder thematisch auf dem Campus zu verankern orienterten wir uns erneut am Lageplan der neuen Gebäude: Da Elektronen immer vom negativ geladenen hin zum positiv geladenen Pol wandern, platzierten wir in die Mitte der fünf Gebäude-Volumina einen Minuspol, der Pluspol wurde an den Ort gelegt, an dem der zukünftige Treffpunkt stehen soll. Mit Hilfe eines Plug-Ins für Rhinoceros konnten nun die Magnetfeldlinien herausgearbeitet werden, wobei insgesamt fünf “Arme” enstanden, die sich, aus den Gebäuden kommend, am Standort des Treffpunktes bündeln. Die unterschiedlichen Gebäudehöhen resultieren in verschieden hohen Endpunkten der “Arme”. Da man sich jedoch auch für eine gewisse Zeit an demTreffpunkt aufhalten soll, wurde an einem der Arme der “Parameter Mensch” angelegt, sodass sich eine Sitzbank ergibt. Bewusst wurde hier auf eine Rückenlehne oder andere Trennungen verzichtet, um eine ungestörte Kommunikation zu ermöglichen.

Als Aktion auf dem neuem Gelände soll in einem kurzem Zeitrahmen im Bereich der Sitzgelegenheit ein Störsender den Handyempfang blockieren. Damit ist die Möglichkeit des bewusstem Abschalten, Kraft tanken und fokussiertem Ideenentwickeln gegeben. Zudem wird so der Treffpunkt und damit die HAWK in das Bewusstsein der Studierenden und der Öffentlichkeit gerufen. Durch diese “erwzungene” Abwesenheit von virtueller Kommunikation wird der zunehmenden Entwicklung, sich mehr mit seinem Smartphone als mit den Menschen um einen herum zu beschäftigen, eine kontroverse Diskussionsplattform gegeben. Zudem ist die dadurch enstehende Ruhe und Unabgelenktheit unglaublich wichtig für das Gehirn, wie wissenschaftliche Test zeigen. Die Verknüpfung verschiedener Gehirnareale fällt durch ein gewisses Maß an Muße und Erholung wesentlich leichter und fördert somit die Kreativität. Und diese ist unabdingbar an einer Gestaltungshochschule!

Die Umsetzung erfolgt aus 2 – 4mm dicken Edelstahlplatten, welche gelasert oder wasserstrahl-geschnitten, gebogen und vor Ort, auf dem neuem Campus z.B. durch das Nieten, zusammen gebaut werden.
Ausgehend vom englischen Wort “the nerv“, welches in “NÖRPH” eingedeutscht wurde und die Kurzform für „Neue Örtliche RuhePHase“ bildet, bieten wir einen vorläufigen Namen für unseren Treffpunkt. Ziel ist es aber, dass die Studierenden ihm einen eigenen Namen geben, der durch die Interaktion mit und in dem Ort entstehen wird.
Unser Treffpunkt soll vor allem eins sein: Ein Ort des Abschaltens vom (mobilen und virtuellen) Alltag, des Informationsaustauschs und der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Dieses Konzept lässt sich auch auf andere Standorte, besonders Gestaltungshochschulen, abwandeln. Am Beispiel des Campus der HBK Braunschweig wird deutlich, dass durch die Anpassung der Paramter  ein neuer, einzigartiger Treffpunkt entstehen kann, der die Hochschule widerspiegelt und den Studierenden und Mitarbeitenden einen enormen  Mehrwert bietet.