Bessere Leistungen – weniger Lohn

Dass Frauen im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer ist eine erwiesene Tatsache. Der Grund für diesen Verdienstunterschied wird meist in der Erwerbsbiografie der Frauen gesucht, denn Frauen haben häufig Familienzeiten und damit Erwerbsunterbrechungen. Frauen arbeiten auch häufiger in Teilzeit und typische Frauenberufe sind schlechter bezahlt als charakteristische Männerberufe. Frauen besetzen seltener eine Führungsposition – all diese Fakten sind bekannt.

In einer Studie für die Hans-Böckler-Stiftung gehen die Professorin Dr. Kirsten Wüst und die Diplom-Psychologin Brigitte Burkart von der Hochschule Pforzheim der Frage nach, ob dies  die unterschiedlichen Einkommen zwischen  Männern und Frauen begründet.

Gründe für den Gehaltsunterschied

Wenn der Grund für den Gehaltsunterschied wirklich in der Erwerbsbiografie zu finden ist, müssten Frauen bei gleichem Studienabschluss und einem Vollzeitjob zumindest beim Berufseinstieg ein vergleichbares Gehalt beziehen wie ihre männlichen Konkurrenten.

Doch das genau zeigt die Studie nicht. Vielmehr ist die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern unter vergleichbaren Bedingungen auch heute noch nicht erreicht.

Schlechteres Einstiegsgehalt von Frauen trotz besserer Leistungen

Grundlage der, in der Zeitschrift WSI-Mitteilungen der Hans-Böckler Stiftung, Ausgabe 06/2010 veröffentlichten Studie war eine Befragung von über 3.000 Absolventinnen und Absolventen der Pforzheimer Fakultät Wirtschaft und Recht. Die Umfrage im Zeitraum von 1998 bis 2008 ergab, dass weibliche Absolventen trotz besserer Noten, häufigerem Auslandsaufenthalt und größerem Engagement in studentischen Organisationen und trotz gleichem Studiengang ein um durchschnittlich acht Prozent geringeres Einstiegsgehalt erzielen als männliche Absolventen. Diese Unterschiede treten bei allen Studiengängen ohne Ausnahme auf. Im Mittel verdienen die Frauen so schon beim Berufseinstieg pro Jahr rund 3.000 € weniger als die Männer.

Männliche Absolventen  weisen höhere Mobilität auf

Da Teilzeit, Übernahme von Führungsaufgaben sowie Erwerbsunterbrechungen als Erklärungsansätze für die Gehaltsunterschiede der Pforzheimer Absolventen ausscheiden, müssen andere Ursachen identifiziert werden. Die Autorinnen können belegen, dass ein Teil der Gehaltsunterschiede auf der höheren Mobilität der männlichen Absolventen basiert.

Andere Lebensplanung bei Absolventinnen

Als weitere Gründe vermuten sie eine Selbstselektion der Frauen, die eine andere Lebensplanung vorziehen und eher auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie abzielen als auf ein möglichst hohes Gehalt. Die Autorinnen schließen aber auch eine Diskriminierung von Frauen nicht aus. Arbeitgeber könnten versucht sein, Frauen im Hinblick auf zukünftig zu erwartende Erwerbsausfälle schlichtweg weniger Geld anzubieten als Männern (mehr dazu unter: http://www.boeckler.de/119_106915.html ).

Share

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>