Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich

Aktuelle Bildungsforschung hat festgestellt, dass das Feedback, das Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern in Form von Noten geben, keinesfalls geschlechtsneutral ist. Nachweislich werden Mädchen im Matheunterricht bei gleicher Leistung besser bewertet als Jungen. Entsprechende Studien belegen zudem, dass Lehrkräfte bewusst nicht nur Leistung und Talent, sondern auch Einstellung und soziale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit der Fachnote bewerten.

Aber das, was sich auf den ersten Blick als vermeintlicher Vorteil für die Mädchen aussieht – da sie offenkundig von Lehrkräften bevorzugt werden – ist in Wirklichkeit ein Nachteil. Denn wenn Mädchen ein Gespür dafür entwickeln, dass gute Noten bei ihnen weniger Aussagekraft haben als bei Jungen, beginnen sie ihren guten Noten grundsätzlich zu misstrauen.  Dies auch dann, wenn die guten Noten gerechtfertigt sind. Letztlich haben dann z.B. mathematikbegabte Mädchen weniger Selbstvertrauen als Jungen mit derselben Begabung und glauben viel weniger an ihr mathematisches Talent.

Da also Mädchen mit guten Mathematiknoten weniger Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten haben als ebenso gut bewertete Jungen, erbringen diese Schülerinnen weniger Spitzenleistungen im Mathematikunterricht und sie entscheiden sich später auch seltener für ein  mathematisch ausgerichtetes Studium. Mathebegabte Mädchen sind damit die Verliererinnen.

Um dies zu vermeiden sollten Lehrkräfte deshalb die Möglichkeit bekommen, ihre Sympathie oder auch die Anerkennung von Fleiß und anderen schulischen Tugenden in einer separaten Note auszudrücken. Dies könnte helfen, dass die Fachnoten ihre Aussagekraft zurückerhalten und Schülerinnen wieder zurecht ihren guten Noten vertrauen können.

Mehr dazu: Mechtenberg, Lydia: warum Mädchen besser schreiben und Jungen besser rechnen können. Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich,  in WZB Mitteilungen Nr. 129, September 2010, S. 20-23.

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