Role Model: MINT-Botschafterin des Jahres 2012

Frau Prof. Sabine Wieland, Hochschullehrerin an der Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) und Vorsitzende des MINT-Netzwerkes Leipzig erhielt die Auszeichnung als „MINT-Botschafterin des Jahres 2012“.

Seit 2010 hat Prof. Wieland maßgeblich an unterschiedlichen Projekten zur Förderung des Interesses an Technik, Naturwissenschaften und Informatik mitgewirkt. Diese Projekte für unterschiedliche Altersstufen beinhalten eine Kombination aus Exkursionen, Fachvorträgen und Experimenten. Als Vorsitzende des MINT-Netzwerkes Leipzig steht Prof. Sabine Wieland für eine Stärkung und Erhöhung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Leipzig durch die Koordinierung und Förderung aller regionaler MINT-Aktivitäten. Neben den Leipziger Hochschulen und der Universität Leipzig gehören Forschungseinrichtungen, öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen, Vereine und Privatpersonen zum MINT-Netzwerk Leipzig.

Quelle: CEWSJOURNAL    Nr. 87 | 24.01.2013, S. 34

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"Gläserne Decke" – Glass Ceiling

Die Chancen zum Aufstieg in leitende Positionen sind je nach Geschlecht unterschiedlich verteilt: Männlichen Akademikern gelingt dies deutlich häufiger als Akademikerinnen. 42 % aller männlichen Fachhochschulabsolventen bekleiden fünf Jahre nach dem Studienabschluss eine leitende Position, hingegen nur 30 % der Fachhochschulabsolventinnen. Ähnlich groß sind die
Unterschiede bei den Universitätsabsolvent(inn)en: Hier sind 35 % der Männer fünf Jahre nach dem Examen in Führungspositionen aufgestiegen, aber nur 24 % der Frauen. Insbesondere der Zugang in die oberen Führungsetagen bleibt den Akademikerinnen weiterhin zumeist verwehrt.

Die Unterschiede in den Anteilen männlicher und weiblicher Führungskräfte liegen nicht ausschließlich in einer unterschiedlichen Studienfachwahl begründet. Gleichwohl bieten Fachrichtungen, die bevorzugt von Frauen gewählt werden, wie die Geisteswissenschaften, häufig geringere Aufstiegschancen als typischerweise von Männern präferierte Fachrichtungen, wie z. B. die meisten MINT-Fächer.

Doch auch unter den Absolventinnen und Absolventen ein und derselben Fachrichtung lassen sich geschlechtsspezifische Differenzen beim Aufstieg in Führungspositionen beobachten – so das HIS-Institut für Hochschulforschung in Hannover in seiner Untersuchung „Bestand und Struktur akademischen Führungspersonals“. Konkret beruht die Analyse auf der ersten und zweiten Befragung des Absolventenjahrgangs 2005, die ca. ein und fünf Jahre nach dem Examen durchgeführt wurden.
Die Studie „Bestand und Struktur akademischen Führungspersonals“ ist als vertiefende Analyse in die jüngst veröffentlichte HIS-HF Absolventenuntersuchung eingebunden.
Download: http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-201214.pdf
http://www.his.de/presse/ news/ganze_pm?pm_nr=1168

Quelle: CEWSJOURNAL    Nr. 87 | 24.01.2013, S. 38

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Unbewusste Geschlechternormen in der Welt der Technik

Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes entschließen sich im Studienjahr 2011 33.178 Studienanfängerinnen für ein Studium der Ingenieurwissenschaften. Das sind 55 % mehr Studienanfängerinnen als noch 2008. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Mathematik und Naturwissenschaften. Hier erhöht sich die Zahl der Studienanfängerinnen seit 2008 um 41,3 % auf 53.997.

Trotz dieser Steigerungen sind die MINT-Berufe im deutschsprachigen Raum, betrachtet man die absoluten Zahlen und die Verteilung der Geschlechter, nach wir vor eine Männerdomäne.

Dies belegt die Soziologin Tanja Paulitz erneut im Rahmen ihrer empirischen Forschung:  Technik beinhaltet nach wie vor einen klaren Geschlechteraspekt. Sie macht ihn an zwei dominanten Berufsbildern deutlich, die sie in der Männerdomäne der Technikwissenschaften definiert hat und die immer mit bestimmten Vorstellungen von “Männlichkeit” verbunden sind: den Theoretiker, der sich mit den Grundlagen befasst, und den Generalisten, der anwendungsnah arbeitet und oft in der Industrie tätig ist.
Der Theoretiker sagt: „Ich war schon immer technisch interessiert, und das treibt mich an.“ Und er glaubt, dass dieses Interesse bei Frauen nicht stark genug sei, um ein Leben lang in technischen Berufen erfolgreich zu sein. Der Generalist ist ein „Manager-Typ“, der Dinge vorantreibt und viel kommuniziert. Seiner Meinung nach sind Frauen in technischen Berufen seltener zu finden, weil sie Beruf und Familie nicht vereinbaren können. Was ihm selbst im Arbeitsalltag gelingt – viele „Baustellen“ gleichzeitig zu bewältigen – traut er Frauen nicht zu.

Auch wenn diese Einstellungen sehr oft latente Überzeugungen sind, die nicht explizit formuliert werden, so tragen sie doch – wenn auch unbewusst -  zur Reproduktion männlicher Normvorstellungen in den technischen Berufsfeldern bei. Ute Paulitz hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Geschlechternormen in der Welt der Technik zu beschreiben und analysieren und dabei deutlich zwischen den einzelnen Technik-Fächern zu unterscheiden.

Letzteres müssen auch all diejenigen Initiativen berücksichtigen, die mehr Frauen in technische Berufe bringen wollen, denn mit einer pauschalen Sichtweise lasse sich dieses Ziel nicht erreichen.

Tanja Paulitz:
„Mann und Maschine. Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs und der modernen Technikwissenschaften, 1850-1930“, transcript-Verlag Bielefeld, 2012, ISBN 978-3-8376-1804-4

Quellen: http://idw-online.de/de/news507917; CEWS Journal Nr. 87, 24.01.2013, S.34

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