Fördern FH-Studiengänge die Beschäftigungsbefähigung der Studierenden besser?

Die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge an den deutschen Hochschulen haben vielfach ihren hohen Anspruch an die Förderung überfachlicher beschäftigungsrelevanter Kompetenzen der Studierenden noch nicht erfüllt, so der Bachelor-/Master-Praxis-Check von CHE und QUEB.

Einbezogen wurden Studiengänge aus den Fächern Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Mechatronik, Bauingenieurwesen sowie Elektrotechnik und Informationstechnik.

Er untersucht die neuen Studiengänge dahingehend, wie sie über die Vermittlung der fachlichen Kompetenz hinaus das  Ziel der Beschäftigungsbefähigung im Studium verankern und fördern. Konkret wurden die drei Aspekte a) Praxisorientierung, b) Vermittlung von methodischen sowie c)  Vermittlung von sozialen Kompetenzen bewertet.

Das bessere Abschneiden der Fachhochschulen ist dabei vor allem auf den Teilbereich des Praxisbezugs zurückzuführen.   Aber die größten Defizite bestehen hochschultypenübergreifend in der Vermittlung methodischer und sozialer Kompetenzen. Lediglich 15 Prozent der Studiengänge erhielten hinsichtlich der Vermittlung methodischer Kompetenzen die Höchstbewertung; noch weniger wird auf die Vermittlung sozialer Kompetenzen geachtet: Nur an 4 Prozent der Bachelorstudiengänge und an 6 Prozent der Master-Studiengänge konnten drei Sterne vergeben werden.. Bei beiden Abschlussarten kam jeweils mehr als die Hälfte der Studiengänge nicht über einen Stern hinaus.

Quelle: CHE Centrum für Hochschulentwicklung  Fachhochschulen beim Praxisbezug weiter vorne, in: Online-Redaktion Verlag Dashöfer, 10.11.2011

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Hochschulabschlüsse in Natur- und Ingenieurwissenschaften in der EU gestiegen

Die EU hat ihre selbstgesteckten Bildungsziele für 2010 nur in einem Fall erreicht: die Anzahl der Hochschulabschlüsse in den Natur- und Ingenieurwissenschaften ist EU-weit gestiegen -  seit dem Jahr 2000 um insgesamt 37,2 %; der Frauenanteil nur von 30,7 % auf 32,6 % im Jahr 2008. Die besten Steigerungsergebnisse insgesamt erzielten die Länder Portugal, Slowakei und Tschechische Republik.

Für Deutschland fällt insbesondere auf, dass es im EU-Vergleich zu viele Schulabbrecher und zu wenig Abiturienten hat.

Die Anzahl der jungen Leute, die die Sekundarstufe II abschließen, lag 2009 in Deutschland bei nur 73,7 Prozent und damit weit unter dem vereinbarten Wert von 85 Prozent und dem EU-Durchschnitt von 78,6 Prozent.

Weitere Informationen finden sich unter: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/11/488&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en

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PISA-Studie 2009: Ergebnisse aus dem Bereich Mathematik und Naturwissenschaften

Deutschland gehört zu den sechs OECD-Staaten, deren Durchschnittswerte in der mathematischen Kompetenz seit PISA 2003 deutlich, d.h. signifikant, angestiegen sind. Mit 513 Punkten gehört Deutschland 2009 erstmals zu der Gruppe jener Staaten, die signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 496 Punkten liegt.

Im Gegenzug hat sich der Anteil von Jugendlichen mit geringer mathematischer Kompetenz  von 21,6 % bei PISA 2003 auf 18,6 % bei PISA 2009 reduziert.

Auch im Bereich der naturwissenschaftlichen Kompetenz sind die deutschen Schülerinnen und Schüler mit 520 Punkten deutlich deutlich oberhalb des OECD-Durchschnitts, der bei 501 Punkten liegt. Ebenso ist der Anteil der Jugendlichen auf der niedrigsten Stufe der naturwissenschaftlichen Kompetenz deutlich niedriger als im OECD-Durchschnitt.

Das lässt insgesamt für naturwissenschaftlich-technische Berufe hoffen. Besser wäre es aber, wenn die Pisaangaben eine Differenzierung nach männlichen und weiblichen Jugendlichen zuließen. Das würde helfen, nach wie vor bestehende Vorurteile in Bezug auf das Geschlecht zu entkräften.

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Frauenstudiengänge im technischen Bereich – warum nicht?

Um mehr Gleichberechtigung in technischen Ausbildungen zu erreichen scheinen Frauenstudiengänge gerdezu ein paradoxer Weg zu sein (Wetterer 2003). Jedoch können solche – monoedukativ genannte – Bildungsmaßnahmen für ausdrücklich nur ein Geschlecht durchaus sinnvoll sein. In Feldern wie der Technik, die heute vielfach immer noch monoedukativ ist ,weil sie nach wie vor fast  “nur” von Männern besetzt werden (Hofstätter 2009), können Bildungsmaßnahmen “nur” für Frauen helfen, abseits von Geschlechterhierarchien zu lernen (vgl. Wajcman 1994, Wächter 2003). Bildungsträger, die hier Lernräume ausdrücklich für Frauen bis hin zu Frauenstudiengängen anbieten, haben bewußt das Ziel vor Augen, den Frauenanteil in einem bestimmten Fachbereich – hier etwa der Technik – zu erhöhen. So soll die Trennung der Geschlechter gerade in den Ingenieurwissenschaften über das Motto “Geschlechtergleichheit durch den Abbau von Geschlechterdifferenz” (vgl. Wetterer 1996) letztendlich zu einer größeren Geschlechtergerechtigkeit beitragen. Sowohl die Erfahrungen aus anderen Frauenstudiengängen in Deutschland aber auch Erkenntnisse aus internationalen Studien (Tradition der amerikanischen “women’s colleges”) sprechen diesbezüglich eine eindeutige Sprache (vgl. Knapp & Gransee 1003, Teubner 2003, Schleier 2009).

Dennoch gibt es auch einige kritische Punkte in Bezug auf monoedukative (Technik-)Ausbildungen (vgl. Teubner 1997, Gransee 2003, Wtterer 2003), so z.B.

- fehlende gesellschaftliche Anerkennung monodekukativer Ausbildungsangebote (vgl. Nohr 2000)

- Inselsituation einer monoedukativen Initiative für Frauen inmitten eines männerdominierten Technikausbildungsbereichs (vgl. Wetterer 2003)

- Fachkultur als Hinternis für Lernerfolg (vgl. Ratzer 2009)

- Außendarstellungen (Werbematerilien und Berichterstattung), die “Studentinnen als neue Elite” durch Stereotypisierung präsentieren (vgl. Schleier 2009)

Im Sinne von Chancengleichheit ist es wichtig, dass ein gleichberechtigter Zugang zu Bildung und eine gleichberechtigte Förderung im Rahmen von Bildungsmaßnahmen sowie die vorurteilsfreie Akzeptanz gewährt wird.

Es gibt also noch viel zu tun!

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IT-Begeisterung von Schülerinnen

Eine neue internationale Studie (Cisco) befasste sich mit den Motiven junger Frauen (zwischen 15  und 18 Jahre) für die IT-Branche. Die Ergebnisse zeigen, dass es im Vergleich zwischen den EU-Ländern deutliche Unterschiede in der IT-Begeistung von Schülerinnen gibt.  So interessieren sich junge Frauen aus  Frankreich und den Niederlanden vergleichsweise wenig für IT-Fächer (Frankreich bildet das EU-Schlußlicht), während der Informatikunterricht für Polinnen und Engländerinnen zu ihren absoluten Lieblingsfächern gehört. Dennoch gibt es aber auch in diesen Ländern einen akuten Frauenmangel an der IT-Branche.

Grundsätzlich stellt die Studie fest, dass am Ende der Schullaufbahn der IT-Wissensstand bei jungen Männern und Frauen gleich ist. Dass sich letztlich aber trotzdem mehr junge Männer als Frauen für ein IT-Studium entscheiden, liegt der Cisco-Studie zufolge vor allem an den immer noch vorherrschenden antiquierten Rollenbildern. Eine Schlüsselrolle im Entscheidungsprozess nehmen bei jungen Frauen der Studie gemäß deren weibliche Vorbilder, allen voran die Mütter, ein. Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob die Mütter sich in IT-Belangen auskennen oder nicht. Vielmehr wirkt es sich auf ihre Töchter aus, ob sie eine hohe Meinung von Jobs in der IT-Branche haben oder diese als Männerdomäne wahrnehmen.

Ein weiterer Grund, der Frauen aus der IT-Branche fern hält, sind die antiquierten Berufsbilder und die diesen wiederum entgegenstehenden beruflichen Wünsche junger Frauen. Aus der Studie geht hervor, dass junge Frauen vor allem in Branchen arbeiten wollen, in denen sie mit anderen Menschen zu tun haben, ihnen helfen und positive Veränderungen bewirken können. Zudem bevorzugen Frauen Jobs, bei denen sie viel reisen.

IT-Berufe gelten jedoch im Alltagsverständnis immer noch als “einsame Computertüftel-Jobs”. In Wirklichkeit sind IT-Jobs aber zunehmend im Bereich des Projektmanagements angesiedelt. Sie verlangen viel Flexibilität, Kreativität und Zusammenarbeit mit Menschen, d.h. Kommunikation. Die umgesetzten Lösungen wiederum helfen den Menschen, Unternehmen und Organisationen, ihre Ziele zu erreichen.

Eine erfolgreiche Maßnahme, gegen die vorherrschenden Ressentiments ist deshalb, den jungen Menschen den tatsächlichen Berufsalltag im IT-Bereich aktuell und lebendig näher zu bringen, z.B. durch entsprechende Besuche von Praktikerinnen der IT-Branche in Schulen. Wichtig wäre auch an Schulen Informatikunterricht künftig als Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler anzubieten. Denn ohne Informatik ist die Welt von heute nicht mehr zu denken. Sie spielt inzwischen in allen Berufsbereichen eine zunehmend wichtigere Rolle.

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Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich

Aktuelle Bildungsforschung hat festgestellt, dass das Feedback, das Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern in Form von Noten geben, keinesfalls geschlechtsneutral ist. Nachweislich werden Mädchen im Matheunterricht bei gleicher Leistung besser bewertet als Jungen. Entsprechende Studien belegen zudem, dass Lehrkräfte bewusst nicht nur Leistung und Talent, sondern auch Einstellung und soziale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit der Fachnote bewerten.

Aber das, was sich auf den ersten Blick als vermeintlicher Vorteil für die Mädchen aussieht – da sie offenkundig von Lehrkräften bevorzugt werden – ist in Wirklichkeit ein Nachteil. Denn wenn Mädchen ein Gespür dafür entwickeln, dass gute Noten bei ihnen weniger Aussagekraft haben als bei Jungen, beginnen sie ihren guten Noten grundsätzlich zu misstrauen.  Dies auch dann, wenn die guten Noten gerechtfertigt sind. Letztlich haben dann z.B. mathematikbegabte Mädchen weniger Selbstvertrauen als Jungen mit derselben Begabung und glauben viel weniger an ihr mathematisches Talent.

Da also Mädchen mit guten Mathematiknoten weniger Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten haben als ebenso gut bewertete Jungen, erbringen diese Schülerinnen weniger Spitzenleistungen im Mathematikunterricht und sie entscheiden sich später auch seltener für ein  mathematisch ausgerichtetes Studium. Mathebegabte Mädchen sind damit die Verliererinnen.

Um dies zu vermeiden sollten Lehrkräfte deshalb die Möglichkeit bekommen, ihre Sympathie oder auch die Anerkennung von Fleiß und anderen schulischen Tugenden in einer separaten Note auszudrücken. Dies könnte helfen, dass die Fachnoten ihre Aussagekraft zurückerhalten und Schülerinnen wieder zurecht ihren guten Noten vertrauen können.

Mehr dazu: Mechtenberg, Lydia: warum Mädchen besser schreiben und Jungen besser rechnen können. Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich,  in WZB Mitteilungen Nr. 129, September 2010, S. 20-23.

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Attraktivität und Internationalität

Ingenieur- und naturwissenschaftliche Studiengänge in Deutschland sind der neuesten OECD Studie (2010) „Bildung auf einen Blick“ zufolge auch bei besonders vielen internationalen Studierenden gefragt. Insgesamt kommen 39 % der internationalen Studierenden nach Deutschland um diese Fächer zu studieren. Nur Finnland und Schweden haben in den ingenieur-, natur- bzw. agrarwissenschaftlichen Studiengängen mehr internationale Studierende als Deutschland. Gerade in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern ist der Frauenanteil bei den Ingenieurwissenschaften deutlich höher als in Deutschland. Im Ingenieur- und Bauwesen lag er in Deutschland im Jahr 2007 bei  nur 18 Prozent, in den 27 EU-Ländern jedoch bei immerhin 25,5 Prozent.

Die OECD-Studie “Bildung auf einen Blick” findet sich unter: http://www.oecd.org/document/8/0,3343,de_34968570_34968855_39283656_1_1_1_1,00.html

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Traditionelle Rollenmuster auch in der EU

Nicht nur in Deutschland folgt die Studienfachwahl oft traditionellen Mustern.

Viele junge Männer und Frauen entscheiden sich auch in den EU-Nachbarländern noch immer für Berufe, die traditionelle Geschlechterrollen widerspiegeln. Das hat eine EU-Studie ergeben.

Der Anteil der weiblichen Hochschulabsolventen im Bereich Gesundheit und Soziales betrug 2007 in Deutschland fast 75 Prozent. In allen 27 EU-Staaten lag er sogar um einen Prozentpunkt höher, nämlich bei 76 Prozent. Im Ingenieur- und Bauwesen waren es 2007 in Deutschland nur knapp 18 Prozent weibliche Absolventinnen. In allen 27 EU-Staaten lag ihr Anteil immerhin bei 25,5 Prozent.

Mädchen erzielen in der Regel höhere Abschlüsse und bessere Noten bei Schulabschlussprüfungen als Jungen, die häufiger die Schule abbrechen oder ein Schuljahr wiederholen. Internationale Studien zeigen, dass in rund einem Drittel der europäischen Bildungssysteme Jungen häufiger Leseschwächen aufweisen, während Mädchen eher in Mathematik schlechte Ergebnisse erzielen. Zur Gleichbehandlung der Geschlechter im Bildungsbereich finanziert die Europäische Kommission Kooperationen zwischen EU-Ländern und unterstützt mit dem Programm für lebenslanges Lernen multinationale Bildungsprojekte.

Die Studie der EU-Kommission basiert auf der Arbeit des Eurydice-Netzes, das Bildungsdaten sammelt und analysiert. Die Studie „Geschlechterunterschiede bei Bildungsresultaten: Derzeitige Situation und aktuelle Maßnahmen in Europa“ findet sich unter:

http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/thematic_reports/120DE.pdf?wa=GLB10-25&uid=4019759

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Auch begabte Schülerinnen nutzen ihr Talent nicht …

Absolventinnen und Absolventen in MINT-Fächern, d.h. in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, werden in Zukunft besonders gefragt sein: Wirtschaftlicher Strukturwandel und demografischer Wandel sind dafür die wesentlichen Gründe. Aktuell liegen die MINT-Absolventinnen- und Absolventenzahlen unter dem langfristigen Bedarf der deutschen Wirtschaft:

Deutschland drohen Fachkräftelücken. Jedes Jahr werden etwa 20.000 MINT-Fachkräfte zu wenig ausgebildet, um den langfristigen Bedarf zu decken, so der Stifterverband der Deutschen Wirtschaft und die Heinz-Nixdorf-Stiftung in ihren Positionen „Nachhaltige Hochschulstrategien für mehr MINT-Absolventen“ (http://www.stifterverband.de). Die Fachkräftelücke betrifft in erster Linie Ingenieure. Generell gilt also: MINT-Berufe versprechen gute Beschäftigungsaussichten!

Die Basis für mehr MINT-Absolventen liegt jedoch an den Schulen und Hochschulen.

Guter Unterricht in der Schule fördert Motivation und Leistung in naturwissenschaftlichen Fächern. Gute Studienbedingungen verhindern erhöhte Studienabbrüche. In den Schulen erreichen Mädchen und Kinder mit Zuwanderungsgeschichte aber bislang im Durchschnitt weniger gute Ergebnisse in den naturwissenschaftlichen Schulfächern. Doch selbst begabte Schülerinnen nutzen ihr Talent nicht, weil sie guten Noten mißtrauen – so eine neueste Veröffentlichung des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) vom September 2010 ( http://www.wzb.eu/publikation/pdf/wm129/Mitteilungen-129.pdf). Zudem gelten technische und naturwissenschaftliche Studiengänge bei Schülerinnen und Schülern als voraussetzungsreich und überwiegend männlich. Von den Studierenden in den MINT-Fächern ist folglich  nur ein Fünftel bis ein Drittel weiblich!

Ein besonderes Potenzial für MINT bieten deshalb insbesondere junge Frauen, weil sie sich bisher trotz guter Voraussetzungen zu wenig für ein Studium in diesem Bereich entschieden haben.

Das Land Baden-Württemberg plant vor diesem Hintergrund Karriereberatungsstellen für Studentinnen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) an den Fachhochschulen und der Dualen Hochschule. Baden-Württemberg möchte damit dem Fachkräftemangel in den MINT-Berufen entgegen wirken, heißt es in einer Mitteilung der Landesregierung vom 26. August 2010.

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Bessere Leistungen – weniger Lohn

Dass Frauen im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer ist eine erwiesene Tatsache. Der Grund für diesen Verdienstunterschied wird meist in der Erwerbsbiografie der Frauen gesucht, denn Frauen haben häufig Familienzeiten und damit Erwerbsunterbrechungen. Frauen arbeiten auch häufiger in Teilzeit und typische Frauenberufe sind schlechter bezahlt als charakteristische Männerberufe. Frauen besetzen seltener eine Führungsposition – all diese Fakten sind bekannt.

In einer Studie für die Hans-Böckler-Stiftung gehen die Professorin Dr. Kirsten Wüst und die Diplom-Psychologin Brigitte Burkart von der Hochschule Pforzheim der Frage nach, ob dies  die unterschiedlichen Einkommen zwischen  Männern und Frauen begründet.

Gründe für den Gehaltsunterschied

Wenn der Grund für den Gehaltsunterschied wirklich in der Erwerbsbiografie zu finden ist, müssten Frauen bei gleichem Studienabschluss und einem Vollzeitjob zumindest beim Berufseinstieg ein vergleichbares Gehalt beziehen wie ihre männlichen Konkurrenten.

Doch das genau zeigt die Studie nicht. Vielmehr ist die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern unter vergleichbaren Bedingungen auch heute noch nicht erreicht.

Schlechteres Einstiegsgehalt von Frauen trotz besserer Leistungen

Grundlage der, in der Zeitschrift WSI-Mitteilungen der Hans-Böckler Stiftung, Ausgabe 06/2010 veröffentlichten Studie war eine Befragung von über 3.000 Absolventinnen und Absolventen der Pforzheimer Fakultät Wirtschaft und Recht. Die Umfrage im Zeitraum von 1998 bis 2008 ergab, dass weibliche Absolventen trotz besserer Noten, häufigerem Auslandsaufenthalt und größerem Engagement in studentischen Organisationen und trotz gleichem Studiengang ein um durchschnittlich acht Prozent geringeres Einstiegsgehalt erzielen als männliche Absolventen. Diese Unterschiede treten bei allen Studiengängen ohne Ausnahme auf. Im Mittel verdienen die Frauen so schon beim Berufseinstieg pro Jahr rund 3.000 € weniger als die Männer.

Männliche Absolventen  weisen höhere Mobilität auf

Da Teilzeit, Übernahme von Führungsaufgaben sowie Erwerbsunterbrechungen als Erklärungsansätze für die Gehaltsunterschiede der Pforzheimer Absolventen ausscheiden, müssen andere Ursachen identifiziert werden. Die Autorinnen können belegen, dass ein Teil der Gehaltsunterschiede auf der höheren Mobilität der männlichen Absolventen basiert.

Andere Lebensplanung bei Absolventinnen

Als weitere Gründe vermuten sie eine Selbstselektion der Frauen, die eine andere Lebensplanung vorziehen und eher auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie abzielen als auf ein möglichst hohes Gehalt. Die Autorinnen schließen aber auch eine Diskriminierung von Frauen nicht aus. Arbeitgeber könnten versucht sein, Frauen im Hinblick auf zukünftig zu erwartende Erwerbsausfälle schlichtweg weniger Geld anzubieten als Männern (mehr dazu unter: http://www.boeckler.de/119_106915.html ).

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