Frauen in Ingenieurs-Berufen verdienen weniger als Männer

Berufswege und Kompetenzen von HochschulabsolventInnen stehen im Mittelpunkt der Ausgabe 4/2010 der „Beiträge zur Hochschulforschung“.

Frauen, die ein MINT-Fach, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik, studiert haben, verdienen beim Berufseinstieg durchschnittlich weniger als Männer – insbesondere im ingenieurwissenschaftlichen Bereich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Susanne Falk, die sie in der neuesten Ausgabe der „Beiträge zur Hochschulforschung“ vorstellt. Ihre auf Basis des Bayerischen Absolventenpanels durchgeführten Analysen zeigen, dass es nicht ein unterschiedliches Studienverhalten ist, welches diese Einkommensunterschiede erklärt. Vielfach werden Frauen  nur in Teilzeit angestellt oder finden eine Anstellung im öffentlichen Dienst (statt in der freien Wirtschaft).

Für einen Abbau der Lohnungleichheit ist entscheidend, dass mehr Frauen Zugang zu unbefristeten Stellen in der Privatwirtschaft bekommen. Schließlich ist es in Anbetracht des Fachkräftemangels in MINT-Fächern ein wichtiges Ziel, hochqualifizierte Frauen in diesem Bereich zu halten.

Weitere Informationen:

http://www.ihf.bayern.de/

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PISA-Studie 2009: Ergebnisse aus dem Bereich Mathematik und Naturwissenschaften

Deutschland gehört zu den sechs OECD-Staaten, deren Durchschnittswerte in der mathematischen Kompetenz seit PISA 2003 deutlich, d.h. signifikant, angestiegen sind. Mit 513 Punkten gehört Deutschland 2009 erstmals zu der Gruppe jener Staaten, die signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 496 Punkten liegt.

Im Gegenzug hat sich der Anteil von Jugendlichen mit geringer mathematischer Kompetenz  von 21,6 % bei PISA 2003 auf 18,6 % bei PISA 2009 reduziert.

Auch im Bereich der naturwissenschaftlichen Kompetenz sind die deutschen Schülerinnen und Schüler mit 520 Punkten deutlich deutlich oberhalb des OECD-Durchschnitts, der bei 501 Punkten liegt. Ebenso ist der Anteil der Jugendlichen auf der niedrigsten Stufe der naturwissenschaftlichen Kompetenz deutlich niedriger als im OECD-Durchschnitt.

Das lässt insgesamt für naturwissenschaftlich-technische Berufe hoffen. Besser wäre es aber, wenn die Pisaangaben eine Differenzierung nach männlichen und weiblichen Jugendlichen zuließen. Das würde helfen, nach wie vor bestehende Vorurteile in Bezug auf das Geschlecht zu entkräften.

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Frauen arbeiten selten in „Männerberufen“ – und umgekehrt

Frauen und Männer sind nach wie vor in sehr unterschiedlichen Berufen tätig. Die Berufswahl orientiert sich dabei an eher traditionellen Vorstellungen. Ein Wechsel in die jeweilige Domäne des anderen Geschlechts bleibt weiter die Ausnahme. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Grundlage von Auswertungen des Mikrozensus mit.

Zwar ist der Anteil der Frauen an allen Erwerbstätigen von 1991 (dem Jahr der erstmaligen Publikation gesamtdeutscher Ergebnisse) bis zum Jahr 2009 um 4,2 Prozentpunkte auf 45,8% gestiegen. Die von Frauen und Männern bevorzugt beziehungsweise überwiegend ausgeübten Berufe haben sich im Zeitablauf allerdings nur in geringem Maße verändert: sowohl bei Männern als auch bei Frauen gibt es berufliche Domänen mit zum Teil sehr hohen Anteilen von Erwerbstätigen des einen oder anderen Geschlechts.

So waren im Jahr 2009 insgesamt 49% der Männer und 36% der Frauen in Berufsgruppen tätig, die zu über 80% von Personen des eigenen Geschlechts ausgeübt wurden. Im Vergleich zum Jahr 2000 veränderte sich das kaum: damals waren 52% der Männer und 34% der Frauen in Berufen tätig, die vom jeweils eigenen Geschlecht dominiert wurden.

(zitiert nach: 4.1.2011 Online-Redaktion Verlag Dashöfer, Quelle: Gleichstellung online)

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Frauenstudiengänge im technischen Bereich – warum nicht?

Um mehr Gleichberechtigung in technischen Ausbildungen zu erreichen scheinen Frauenstudiengänge gerdezu ein paradoxer Weg zu sein (Wetterer 2003). Jedoch können solche – monoedukativ genannte – Bildungsmaßnahmen für ausdrücklich nur ein Geschlecht durchaus sinnvoll sein. In Feldern wie der Technik, die heute vielfach immer noch monoedukativ ist ,weil sie nach wie vor fast  “nur” von Männern besetzt werden (Hofstätter 2009), können Bildungsmaßnahmen “nur” für Frauen helfen, abseits von Geschlechterhierarchien zu lernen (vgl. Wajcman 1994, Wächter 2003). Bildungsträger, die hier Lernräume ausdrücklich für Frauen bis hin zu Frauenstudiengängen anbieten, haben bewußt das Ziel vor Augen, den Frauenanteil in einem bestimmten Fachbereich – hier etwa der Technik – zu erhöhen. So soll die Trennung der Geschlechter gerade in den Ingenieurwissenschaften über das Motto “Geschlechtergleichheit durch den Abbau von Geschlechterdifferenz” (vgl. Wetterer 1996) letztendlich zu einer größeren Geschlechtergerechtigkeit beitragen. Sowohl die Erfahrungen aus anderen Frauenstudiengängen in Deutschland aber auch Erkenntnisse aus internationalen Studien (Tradition der amerikanischen “women’s colleges”) sprechen diesbezüglich eine eindeutige Sprache (vgl. Knapp & Gransee 1003, Teubner 2003, Schleier 2009).

Dennoch gibt es auch einige kritische Punkte in Bezug auf monoedukative (Technik-)Ausbildungen (vgl. Teubner 1997, Gransee 2003, Wtterer 2003), so z.B.

- fehlende gesellschaftliche Anerkennung monodekukativer Ausbildungsangebote (vgl. Nohr 2000)

- Inselsituation einer monoedukativen Initiative für Frauen inmitten eines männerdominierten Technikausbildungsbereichs (vgl. Wetterer 2003)

- Fachkultur als Hinternis für Lernerfolg (vgl. Ratzer 2009)

- Außendarstellungen (Werbematerilien und Berichterstattung), die “Studentinnen als neue Elite” durch Stereotypisierung präsentieren (vgl. Schleier 2009)

Im Sinne von Chancengleichheit ist es wichtig, dass ein gleichberechtigter Zugang zu Bildung und eine gleichberechtigte Förderung im Rahmen von Bildungsmaßnahmen sowie die vorurteilsfreie Akzeptanz gewährt wird.

Es gibt also noch viel zu tun!

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IT-Begeisterung von Schülerinnen

Eine neue internationale Studie (Cisco) befasste sich mit den Motiven junger Frauen (zwischen 15  und 18 Jahre) für die IT-Branche. Die Ergebnisse zeigen, dass es im Vergleich zwischen den EU-Ländern deutliche Unterschiede in der IT-Begeistung von Schülerinnen gibt.  So interessieren sich junge Frauen aus  Frankreich und den Niederlanden vergleichsweise wenig für IT-Fächer (Frankreich bildet das EU-Schlußlicht), während der Informatikunterricht für Polinnen und Engländerinnen zu ihren absoluten Lieblingsfächern gehört. Dennoch gibt es aber auch in diesen Ländern einen akuten Frauenmangel an der IT-Branche.

Grundsätzlich stellt die Studie fest, dass am Ende der Schullaufbahn der IT-Wissensstand bei jungen Männern und Frauen gleich ist. Dass sich letztlich aber trotzdem mehr junge Männer als Frauen für ein IT-Studium entscheiden, liegt der Cisco-Studie zufolge vor allem an den immer noch vorherrschenden antiquierten Rollenbildern. Eine Schlüsselrolle im Entscheidungsprozess nehmen bei jungen Frauen der Studie gemäß deren weibliche Vorbilder, allen voran die Mütter, ein. Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob die Mütter sich in IT-Belangen auskennen oder nicht. Vielmehr wirkt es sich auf ihre Töchter aus, ob sie eine hohe Meinung von Jobs in der IT-Branche haben oder diese als Männerdomäne wahrnehmen.

Ein weiterer Grund, der Frauen aus der IT-Branche fern hält, sind die antiquierten Berufsbilder und die diesen wiederum entgegenstehenden beruflichen Wünsche junger Frauen. Aus der Studie geht hervor, dass junge Frauen vor allem in Branchen arbeiten wollen, in denen sie mit anderen Menschen zu tun haben, ihnen helfen und positive Veränderungen bewirken können. Zudem bevorzugen Frauen Jobs, bei denen sie viel reisen.

IT-Berufe gelten jedoch im Alltagsverständnis immer noch als “einsame Computertüftel-Jobs”. In Wirklichkeit sind IT-Jobs aber zunehmend im Bereich des Projektmanagements angesiedelt. Sie verlangen viel Flexibilität, Kreativität und Zusammenarbeit mit Menschen, d.h. Kommunikation. Die umgesetzten Lösungen wiederum helfen den Menschen, Unternehmen und Organisationen, ihre Ziele zu erreichen.

Eine erfolgreiche Maßnahme, gegen die vorherrschenden Ressentiments ist deshalb, den jungen Menschen den tatsächlichen Berufsalltag im IT-Bereich aktuell und lebendig näher zu bringen, z.B. durch entsprechende Besuche von Praktikerinnen der IT-Branche in Schulen. Wichtig wäre auch an Schulen Informatikunterricht künftig als Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler anzubieten. Denn ohne Informatik ist die Welt von heute nicht mehr zu denken. Sie spielt inzwischen in allen Berufsbereichen eine zunehmend wichtigere Rolle.

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Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich

Aktuelle Bildungsforschung hat festgestellt, dass das Feedback, das Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern in Form von Noten geben, keinesfalls geschlechtsneutral ist. Nachweislich werden Mädchen im Matheunterricht bei gleicher Leistung besser bewertet als Jungen. Entsprechende Studien belegen zudem, dass Lehrkräfte bewusst nicht nur Leistung und Talent, sondern auch Einstellung und soziale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit der Fachnote bewerten.

Aber das, was sich auf den ersten Blick als vermeintlicher Vorteil für die Mädchen aussieht – da sie offenkundig von Lehrkräften bevorzugt werden – ist in Wirklichkeit ein Nachteil. Denn wenn Mädchen ein Gespür dafür entwickeln, dass gute Noten bei ihnen weniger Aussagekraft haben als bei Jungen, beginnen sie ihren guten Noten grundsätzlich zu misstrauen.  Dies auch dann, wenn die guten Noten gerechtfertigt sind. Letztlich haben dann z.B. mathematikbegabte Mädchen weniger Selbstvertrauen als Jungen mit derselben Begabung und glauben viel weniger an ihr mathematisches Talent.

Da also Mädchen mit guten Mathematiknoten weniger Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten haben als ebenso gut bewertete Jungen, erbringen diese Schülerinnen weniger Spitzenleistungen im Mathematikunterricht und sie entscheiden sich später auch seltener für ein  mathematisch ausgerichtetes Studium. Mathebegabte Mädchen sind damit die Verliererinnen.

Um dies zu vermeiden sollten Lehrkräfte deshalb die Möglichkeit bekommen, ihre Sympathie oder auch die Anerkennung von Fleiß und anderen schulischen Tugenden in einer separaten Note auszudrücken. Dies könnte helfen, dass die Fachnoten ihre Aussagekraft zurückerhalten und Schülerinnen wieder zurecht ihren guten Noten vertrauen können.

Mehr dazu: Mechtenberg, Lydia: warum Mädchen besser schreiben und Jungen besser rechnen können. Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich,  in WZB Mitteilungen Nr. 129, September 2010, S. 20-23.

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Traditionelle Rollenmuster auch in der EU

Nicht nur in Deutschland folgt die Studienfachwahl oft traditionellen Mustern.

Viele junge Männer und Frauen entscheiden sich auch in den EU-Nachbarländern noch immer für Berufe, die traditionelle Geschlechterrollen widerspiegeln. Das hat eine EU-Studie ergeben.

Der Anteil der weiblichen Hochschulabsolventen im Bereich Gesundheit und Soziales betrug 2007 in Deutschland fast 75 Prozent. In allen 27 EU-Staaten lag er sogar um einen Prozentpunkt höher, nämlich bei 76 Prozent. Im Ingenieur- und Bauwesen waren es 2007 in Deutschland nur knapp 18 Prozent weibliche Absolventinnen. In allen 27 EU-Staaten lag ihr Anteil immerhin bei 25,5 Prozent.

Mädchen erzielen in der Regel höhere Abschlüsse und bessere Noten bei Schulabschlussprüfungen als Jungen, die häufiger die Schule abbrechen oder ein Schuljahr wiederholen. Internationale Studien zeigen, dass in rund einem Drittel der europäischen Bildungssysteme Jungen häufiger Leseschwächen aufweisen, während Mädchen eher in Mathematik schlechte Ergebnisse erzielen. Zur Gleichbehandlung der Geschlechter im Bildungsbereich finanziert die Europäische Kommission Kooperationen zwischen EU-Ländern und unterstützt mit dem Programm für lebenslanges Lernen multinationale Bildungsprojekte.

Die Studie der EU-Kommission basiert auf der Arbeit des Eurydice-Netzes, das Bildungsdaten sammelt und analysiert. Die Studie „Geschlechterunterschiede bei Bildungsresultaten: Derzeitige Situation und aktuelle Maßnahmen in Europa“ findet sich unter:

http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/thematic_reports/120DE.pdf?wa=GLB10-25&uid=4019759

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Naturwissenschaft und Technik – Studiengangsmodelle unter Genderperspektive

Naturwissenschaftliche und technische Fächer wurden in den letzten Jahrzehnten von einer großen Dynamik erfasst und haben ständig neue Bereiche hervorgebracht, neue kleine Disziplinen, „Hybriddisziplinen“, wie sie Rudolf Stichweh nennen würde, die oftmals wiederum zu neuen Disziplinen werden.

In Hybriddisziplinen bzw. neuen Disziplinen, wie z.B. der Bioinformatik oder Bioethnologie, bieten sich Frauen neue Chancen, denn es sind gewissermaßen Disziplinen, die zumindest potentiell noch über kein Geschlecht verfügen. Zu rekonstruieren, wie junge Disziplinen allmählich für das eine oder andere Geschlecht zum Bildungsfeld werden, wie disziplinäre Profile, Produkte und Handlungsweisen ein Geschlecht zugeschrieben erhalten, scheint gleichstellungspolitisch höchst relevant.

Daraus ergeben sich auch Fragen in Bezug auf ein reshaping von Bildungsgängen und Berufen.

  • Wie können diese so gestaltet werden, dass sie attraktiv für Frauen werden?
  • Wie lassen sich professionelle Leitbilder oder fachkulturelle Merkmale „neutralisieren“?
  • Und wie kann Gender-Wissen, wie können Geschlechterfragen in diese Disziplinen integriert werden?
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Männerdominierte Ausbildungsberufe lohnen sich!

Auszubildende in typischen Männerberufen werden deutlich besser bezahlt als Auszubildende, die in der weiblich geprägten Dienstleistungsbranche arbeiten. In den männerdominierten Ausbildungsberufen liegt das Gehalt bei durchschnittlich 601 Euro – bei den von Frauen favorisierten Berufen lediglich bei 489 Euro. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2010 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, der am 1. September in Berlin vorgestellt wurde.

Mehr dazu findet sich unter:

http://www.dgb.de/presse/++co++1f1d78ac-b59e-11df-6fd9-00188b4dc422

Im Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe werden in diesem Report übrigens Industriemechanikerinnen bzw. Industriemechaniker auch inhaltlich am besten beurteilt, gefolgt von Bankkaufmann/-frau und Industriekaufmann/-frau. Auf den letzten drei Rängen sind wie im Vorjahr FachverkäuferInnen im Lebensmittelhandwerk, Hotelfachmann/-frau und Restaurantfachmann/-frau gelandet.

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