Archiv für die Kategorie 'Studienwahl'

Anna Mueller

Studium und Migration

Rund jeder zehnte Studierende an deutschen Universitäten hat einen Einwanderungshintergrund. Damit bleibe noch viel zu tun, damit MigrantInnen an Hochschulen künftig so stark vertreten sind, wie es ihrem Bevölkerungsanteil von fast einem Fünftel entspricht, erklärte Prof. Rolf Dobischat, Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW), anlässlich des Integrationsgipfels am 3. November in Berlin.

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Anna Mueller

IT-Begeisterung von Schülerinnen

Eine neue internationale Studie (Cisco) befasste sich mit den Motiven junger Frauen (zwischen 15  und 18 Jahre) für die IT-Branche. Die Ergebnisse zeigen, dass es im Vergleich zwischen den EU-Ländern deutliche Unterschiede in der IT-Begeistung von Schülerinnen gibt.  So interessieren sich junge Frauen aus  Frankreich und den Niederlanden vergleichsweise wenig für IT-Fächer (Frankreich bildet das EU-Schlußlicht), während der Informatikunterricht für Polinnen und Engländerinnen zu ihren absoluten Lieblingsfächern gehört. Dennoch gibt es aber auch in diesen Ländern einen akuten Frauenmangel an der IT-Branche.

Grundsätzlich stellt die Studie fest, dass am Ende der Schullaufbahn der IT-Wissensstand bei jungen Männern und Frauen gleich ist. Dass sich letztlich aber trotzdem mehr junge Männer als Frauen für ein IT-Studium entscheiden, liegt der Cisco-Studie zufolge vor allem an den immer noch vorherrschenden antiquierten Rollenbildern. Eine Schlüsselrolle im Entscheidungsprozess nehmen bei jungen Frauen der Studie gemäß deren weibliche Vorbilder, allen voran die Mütter, ein. Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob die Mütter sich in IT-Belangen auskennen oder nicht. Vielmehr wirkt es sich auf ihre Töchter aus, ob sie eine hohe Meinung von Jobs in der IT-Branche haben oder diese als Männerdomäne wahrnehmen.

Ein weiterer Grund, der Frauen aus der IT-Branche fern hält, sind die antiquierten Berufsbilder und die diesen wiederum entgegenstehenden beruflichen Wünsche junger Frauen. Aus der Studie geht hervor, dass junge Frauen vor allem in Branchen arbeiten wollen, in denen sie mit anderen Menschen zu tun haben, ihnen helfen und positive Veränderungen bewirken können. Zudem bevorzugen Frauen Jobs, bei denen sie viel reisen.

IT-Berufe gelten jedoch im Alltagsverständnis immer noch als “einsame Computertüftel-Jobs”. In Wirklichkeit sind IT-Jobs aber zunehmend im Bereich des Projektmanagements angesiedelt. Sie verlangen viel Flexibilität, Kreativität und Zusammenarbeit mit Menschen, d.h. Kommunikation. Die umgesetzten Lösungen wiederum helfen den Menschen, Unternehmen und Organisationen, ihre Ziele zu erreichen.

Eine erfolgreiche Maßnahme, gegen die vorherrschenden Ressentiments ist deshalb, den jungen Menschen den tatsächlichen Berufsalltag im IT-Bereich aktuell und lebendig näher zu bringen, z.B. durch entsprechende Besuche von Praktikerinnen der IT-Branche in Schulen. Wichtig wäre auch an Schulen Informatikunterricht künftig als Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler anzubieten. Denn ohne Informatik ist die Welt von heute nicht mehr zu denken. Sie spielt inzwischen in allen Berufsbereichen eine zunehmend wichtigere Rolle.

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Aktuelle Bildungsforschung hat festgestellt, dass das Feedback, das Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern in Form von Noten geben, keinesfalls geschlechtsneutral ist. Nachweislich werden Mädchen im Matheunterricht bei gleicher Leistung besser bewertet als Jungen. Entsprechende Studien belegen zudem, dass Lehrkräfte bewusst nicht nur Leistung und Talent, sondern auch Einstellung und soziale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit der Fachnote bewerten.

Aber das, was sich auf den ersten Blick als vermeintlicher Vorteil für die Mädchen aussieht – da sie offenkundig von Lehrkräften bevorzugt werden – ist in Wirklichkeit ein Nachteil. Denn wenn Mädchen ein Gespür dafür entwickeln, dass gute Noten bei ihnen weniger Aussagekraft haben als bei Jungen, beginnen sie ihren guten Noten grundsätzlich zu misstrauen.  Dies auch dann, wenn die guten Noten gerechtfertigt sind. Letztlich haben dann z.B. mathematikbegabte Mädchen weniger Selbstvertrauen als Jungen mit derselben Begabung und glauben viel weniger an ihr mathematisches Talent.

Da also Mädchen mit guten Mathematiknoten weniger Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten haben als ebenso gut bewertete Jungen, erbringen diese Schülerinnen weniger Spitzenleistungen im Mathematikunterricht und sie entscheiden sich später auch seltener für ein  mathematisch ausgerichtetes Studium. Mathebegabte Mädchen sind damit die Verliererinnen.

Um dies zu vermeiden sollten Lehrkräfte deshalb die Möglichkeit bekommen, ihre Sympathie oder auch die Anerkennung von Fleiß und anderen schulischen Tugenden in einer separaten Note auszudrücken. Dies könnte helfen, dass die Fachnoten ihre Aussagekraft zurückerhalten und Schülerinnen wieder zurecht ihren guten Noten vertrauen können.

Mehr dazu: Mechtenberg, Lydia: warum Mädchen besser schreiben und Jungen besser rechnen können. Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich,  in WZB Mitteilungen Nr. 129, September 2010, S. 20-23.

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Anna Mueller

Attraktivität und Internationalität

Ingenieur- und naturwissenschaftliche Studiengänge in Deutschland sind der neuesten OECD Studie (2010) „Bildung auf einen Blick“ zufolge auch bei besonders vielen internationalen Studierenden gefragt. Insgesamt kommen 39 % der internationalen Studierenden nach Deutschland um diese Fächer zu studieren. Nur Finnland und Schweden haben in den ingenieur-, natur- bzw. agrarwissenschaftlichen Studiengängen mehr internationale Studierende als Deutschland. Gerade in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern ist der Frauenanteil bei den Ingenieurwissenschaften deutlich höher als in Deutschland. Im Ingenieur- und Bauwesen lag er in Deutschland im Jahr 2007 bei  nur 18 Prozent, in den 27 EU-Ländern jedoch bei immerhin 25,5 Prozent.

Die OECD-Studie “Bildung auf einen Blick” findet sich unter: http://www.oecd.org/document/8/0,3343,de_34968570_34968855_39283656_1_1_1_1,00.html

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Absolventinnen und Absolventen in MINT-Fächern, d.h. in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, werden in Zukunft besonders gefragt sein: Wirtschaftlicher Strukturwandel und demografischer Wandel sind dafür die wesentlichen Gründe. Aktuell liegen die MINT-Absolventinnen- und Absolventenzahlen unter dem langfristigen Bedarf der deutschen Wirtschaft:

Deutschland drohen Fachkräftelücken. Jedes Jahr werden etwa 20.000 MINT-Fachkräfte zu wenig ausgebildet, um den langfristigen Bedarf zu decken, so der Stifterverband der Deutschen Wirtschaft und die Heinz-Nixdorf-Stiftung in ihren Positionen „Nachhaltige Hochschulstrategien für mehr MINT-Absolventen“ (http://www.stifterverband.de). Die Fachkräftelücke betrifft in erster Linie Ingenieure. Generell gilt also: MINT-Berufe versprechen gute Beschäftigungsaussichten!

Die Basis für mehr MINT-Absolventen liegt jedoch an den Schulen und Hochschulen.

Guter Unterricht in der Schule fördert Motivation und Leistung in naturwissenschaftlichen Fächern. Gute Studienbedingungen verhindern erhöhte Studienabbrüche. In den Schulen erreichen Mädchen und Kinder mit Zuwanderungsgeschichte aber bislang im Durchschnitt weniger gute Ergebnisse in den naturwissenschaftlichen Schulfächern. Doch selbst begabte Schülerinnen nutzen ihr Talent nicht, weil sie guten Noten mißtrauen – so eine neueste Veröffentlichung des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) vom September 2010 ( http://www.wzb.eu/publikation/pdf/wm129/Mitteilungen-129.pdf). Zudem gelten technische und naturwissenschaftliche Studiengänge bei Schülerinnen und Schülern als voraussetzungsreich und überwiegend männlich. Von den Studierenden in den MINT-Fächern ist folglich  nur ein Fünftel bis ein Drittel weiblich!

Ein besonderes Potenzial für MINT bieten deshalb insbesondere junge Frauen, weil sie sich bisher trotz guter Voraussetzungen zu wenig für ein Studium in diesem Bereich entschieden haben.

Das Land Baden-Württemberg plant vor diesem Hintergrund Karriereberatungsstellen für Studentinnen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) an den Fachhochschulen und der Dualen Hochschule. Baden-Württemberg möchte damit dem Fachkräftemangel in den MINT-Berufen entgegen wirken, heißt es in einer Mitteilung der Landesregierung vom 26. August 2010.

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Naturwissenschaftliche und technische Fächer wurden in den letzten Jahrzehnten von einer großen Dynamik erfasst und haben ständig neue Bereiche hervorgebracht, neue kleine Disziplinen, „Hybriddisziplinen“, wie sie Rudolf Stichweh nennen würde, die oftmals wiederum zu neuen Disziplinen werden.

In Hybriddisziplinen bzw. neuen Disziplinen, wie z.B. der Bioinformatik oder Bioethnologie, bieten sich Frauen neue Chancen, denn es sind gewissermaßen Disziplinen, die zumindest potentiell noch über kein Geschlecht verfügen. Zu rekonstruieren, wie junge Disziplinen allmählich für das eine oder andere Geschlecht zum Bildungsfeld werden, wie disziplinäre Profile, Produkte und Handlungsweisen ein Geschlecht zugeschrieben erhalten, scheint gleichstellungspolitisch höchst relevant.

Daraus ergeben sich auch Fragen in Bezug auf ein reshaping von Bildungsgängen und Berufen.

  • Wie können diese so gestaltet werden, dass sie attraktiv für Frauen werden?
  • Wie lassen sich professionelle Leitbilder oder fachkulturelle Merkmale „neutralisieren“?
  • Und wie kann Gender-Wissen, wie können Geschlechterfragen in diese Disziplinen integriert werden?
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