Archiv für das Tag 'Mathematik'

Die EU hat ihre selbstgesteckten Bildungsziele für 2010 nur in einem Fall erreicht: die Anzahl der Hochschulabschlüsse in den Natur- und Ingenieurwissenschaften ist EU-weit gestiegen -  seit dem Jahr 2000 um insgesamt 37,2 %; der Frauenanteil nur von 30,7 % auf 32,6 % im Jahr 2008. Die besten Steigerungsergebnisse insgesamt erzielten die Länder Portugal, Slowakei und Tschechische Republik.

Für Deutschland fällt insbesondere auf, dass es im EU-Vergleich zu viele Schulabbrecher und zu wenig Abiturienten hat.

Die Anzahl der jungen Leute, die die Sekundarstufe II abschließen, lag 2009 in Deutschland bei nur 73,7 Prozent und damit weit unter dem vereinbarten Wert von 85 Prozent und dem EU-Durchschnitt von 78,6 Prozent.

Weitere Informationen finden sich unter: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/11/488&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en

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Deutschland gehört zu den sechs OECD-Staaten, deren Durchschnittswerte in der mathematischen Kompetenz seit PISA 2003 deutlich, d.h. signifikant, angestiegen sind. Mit 513 Punkten gehört Deutschland 2009 erstmals zu der Gruppe jener Staaten, die signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 496 Punkten liegt.

Im Gegenzug hat sich der Anteil von Jugendlichen mit geringer mathematischer Kompetenz  von 21,6 % bei PISA 2003 auf 18,6 % bei PISA 2009 reduziert.

Auch im Bereich der naturwissenschaftlichen Kompetenz sind die deutschen Schülerinnen und Schüler mit 520 Punkten deutlich deutlich oberhalb des OECD-Durchschnitts, der bei 501 Punkten liegt. Ebenso ist der Anteil der Jugendlichen auf der niedrigsten Stufe der naturwissenschaftlichen Kompetenz deutlich niedriger als im OECD-Durchschnitt.

Das lässt insgesamt für naturwissenschaftlich-technische Berufe hoffen. Besser wäre es aber, wenn die Pisaangaben eine Differenzierung nach männlichen und weiblichen Jugendlichen zuließen. Das würde helfen, nach wie vor bestehende Vorurteile in Bezug auf das Geschlecht zu entkräften.

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Aktuelle Bildungsforschung hat festgestellt, dass das Feedback, das Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern in Form von Noten geben, keinesfalls geschlechtsneutral ist. Nachweislich werden Mädchen im Matheunterricht bei gleicher Leistung besser bewertet als Jungen. Entsprechende Studien belegen zudem, dass Lehrkräfte bewusst nicht nur Leistung und Talent, sondern auch Einstellung und soziale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit der Fachnote bewerten.

Aber das, was sich auf den ersten Blick als vermeintlicher Vorteil für die Mädchen aussieht – da sie offenkundig von Lehrkräften bevorzugt werden – ist in Wirklichkeit ein Nachteil. Denn wenn Mädchen ein Gespür dafür entwickeln, dass gute Noten bei ihnen weniger Aussagekraft haben als bei Jungen, beginnen sie ihren guten Noten grundsätzlich zu misstrauen.  Dies auch dann, wenn die guten Noten gerechtfertigt sind. Letztlich haben dann z.B. mathematikbegabte Mädchen weniger Selbstvertrauen als Jungen mit derselben Begabung und glauben viel weniger an ihr mathematisches Talent.

Da also Mädchen mit guten Mathematiknoten weniger Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten haben als ebenso gut bewertete Jungen, erbringen diese Schülerinnen weniger Spitzenleistungen im Mathematikunterricht und sie entscheiden sich später auch seltener für ein  mathematisch ausgerichtetes Studium. Mathebegabte Mädchen sind damit die Verliererinnen.

Um dies zu vermeiden sollten Lehrkräfte deshalb die Möglichkeit bekommen, ihre Sympathie oder auch die Anerkennung von Fleiß und anderen schulischen Tugenden in einer separaten Note auszudrücken. Dies könnte helfen, dass die Fachnoten ihre Aussagekraft zurückerhalten und Schülerinnen wieder zurecht ihren guten Noten vertrauen können.

Mehr dazu: Mechtenberg, Lydia: warum Mädchen besser schreiben und Jungen besser rechnen können. Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich,  in WZB Mitteilungen Nr. 129, September 2010, S. 20-23.

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