Workshop: „ Die Praxis von Beobachtungsbögen“ – Bericht vom 18.11.08, 14:15 – 15:45Uhr (Protokollantinnen: Sistiane Kruhl, Eva Krapp)

Leitung:  Prof. Dr. Peter Cloos (Uni Hildesheim – Kompetenzzentrum frühe Kindheit)

In dem Workshop wird der Umgang mit Beobachtungsbögen diskutiert und praktisch erprobt. Wir fassen die für uns wesntlichen Inhalte des Workshps zusammen.
Eine Beobachtung braucht die Relation von Erfahrung und Wissen. Neben der Beobachtung und Dokumentation der Entwicklung der Kinder benötigen Fachkräfte Verfahren, um Bildungsprozesse prozessorientiert, qualifiziert und situativ beschreiben zu können. Prozessorientierte Verfahren dokumentieren Bildungs- und Lernwege der Kinder. Sie bieten Dokumente an, die Eltern und professionelle Fachkräfte dabei unterstützen, die Lernwege zu verstehen und angemessene „Angebote“ zu machen. Sie bieten den Kindern „Dokumente“ an, die sie in ihrem Lernen unterstützen.

Die verschiedenen Beobachtungsbögen:

  • Bildungs- und Lerngeschichten
  • Hans Joachim Laewen/ Beate Andres: Forscher Künstler Konstrukteure
  • Darmstädter Beobachtungsbogen (Becker/Lipp- Peetz)
  • Pestalozzi-Fröbel-Haus

Nach der kurzen Einführung und Begrüßung der ca. 80 Teilnehmenden, werden die verschiedenen Beobachtungsbögen,  am Beispiel des Kurzfilmes „Junge in der Tonne mit Taschenlampe“ in der Praxis getestet. Dabei erhält jeder Teilnehmer einen der 4 verschiedenen Beobachtungsbögen. Die Bögen werden während des Filmes ausgefüllt. Im Anschluss findet eine Besprechung der Ergebnisse in 4 Gruppen statt.

Arbeit in Gruppen

  1. Lesen Sie sich gegenseitig ein paar„Beobachtungen“   vor. (5min)
  2. Füllen Sie gemeinsam in der Gruppe die weiteren Bögen ihres Beobachtungsverfahrens aus!
  3. Diskutieren Sie anschließend folgende Fragen:
  • Erscheint ihnen der Beobachtungsbogen praktikabel?
  • Was ist ihnen bei der Verwendung des Verfahrens leicht- bzw. schwer gefallen?
  • Wie verändert sich der Blick auf das Kind, wenn sie das Verfahren anwenden?
  • Was gerät durch das Beobachtungsverfahren in den Blick und was nicht?
  • Vorstellung der Ergebnisse

Zusammenfassung der Ergebnisse

Der „Darmstädter Beobachtungsbogen“ stellt sich für die Teilnehmer als nur bedingt praktikabel dar. Beim Beschreiben der Beobachtung mit Hilfe der Fragestellung: Was macht oder sagt das Kind? zeigen sich bei den Testern keine Schwierigkeiten. Die Fragestellung ist klar verständlich und bietet viel Platz für eine detaillierte Beobachtungsbeschreibung. Eine Bewertung der Beobachtung wird vorerst nicht erwartet. Vielmehr geht es darum sich, frei von vorgegebenen Richtlinien, auf die eigentliche Beobachtung zu konzentrieren und keine eigene Interpretation der Handlungen mit einzubeziehen. Als schwer zu beantworten scheint jedoch die Frage nach der eigenen emotionalen Empfindung im Bezug auf die Beobachtung. Bsp. „Was empfinde ich?“ und wird verknüpft mit der Fragenach den Voreinschätzungen der beobachtenden Person. Diese Voreinschätzungen können einen großen Einfluss auf die Art der Beobachtung und auf die Objektivität haben, und sind wichtig für die spätere Reflexion. Auf den nächsten Seiten bietet der Bogen einen erweiterten Blick auf die Gefühle und Interessen des Kindes, die es in seinen Handlungen zum Ausdruck bringt. Der Bogen regt zum Dialog mit dem Kind an und gibt dem Kind somit die Möglichkeit, sich mit den Beobachtungen der Erzieherin (und andere) auseinanderzusetzen und sie zu kommentieren.

Der„Pestalozzi-Fröbel“ Beobachtungsbogen erweist sich als weniger geeignet, da ein zu großer Interpretationsspielraum gegeben ist. Ohne Anleitung ist es schwierig den Bogen auszufüllen. Der Bogen ist zu komplex aufgebaut und es können nicht alle Bereiche in einer einzigen Beobachtung erfasst werden. Das Ankreuzen als schnelle Auswertungsmethode wird als positiv empfunden. Negativ gesehen wird die damit verbundene Bewertung des Kindes. Emotionales Wohlbefinden und Engagiertheit stehen im Vordergrund der Beobachtung. Emotionales Wohlempfinden ist aufgeschlüsselt in:  Flexibilität, Selbstvertrauen, Entspannung und innere Ruhe, genießen können. Die Engagiertheit bezieht sich auf  die Konzentration, Kreativität, Ausdauer, Reaktionsbereitschaft und die verbale Äußerung von Zufriedenheit. Die Gruppe stellt sich die Frage, wie die 2.Seite des Bogens praktisch anwendbar ist, und führt eine kontroverse Diskussion. Die zu beobachtende Situation kann allen im Bogen aufgeführten Bildungsbereichen zugeordnet werden. Aufgrund der Interpretationsfreiheit kommt die Gruppe zu dem Schluss, dass eine wertfreie Beobachtung mit diesem Bogen nicht möglich ist.

Die Lerndispositionen bilden den Kern des Beobachtungsbogens „Bildungs- und Lerngeschichte“. Bei der Auswertung der Beobachtungen werden fünf Lerndispositionen unterschieden: Interessiert sein, Engagiert sein, Standhalten bei Herausforderungen und Schwierigkeiten, sich ausdrücken und mitteilen, an einer Lerngemeinschaft mitwirken und Verantwortung übernehmen. Die Tester empfinden den Beobachtungsbogen als praktikabel, weisen aber darauf hin, dass die Bearbeitung des Bogens viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Bogen bietet die Möglichkeit sich intensiv und detailliert mit den Interessen, Aktivitäten und Strategien des Kindes zu befassen. Als positiv wird empfunden, dass wertneutrales Beobachten gewährleistet ist.

Beim Verfahren mit dem Beobachtungsbogen „Laewen und Andres“ fallen die verschiedenen Ansatzweisen aus. Der Bogen bietet außergewöhnlich viel Platz für die Beschreibung der Beobachtungssituation: Was geschieht, was tun ,sagen die Kinder. Der Gruppe ist es leicht gefallen, auf die eindeutig formulierten Anweisungen des Beobachtungsbogens einzugehen. Vermisst wird aber die Möglichkeit eigene Gedanken einzubringen. Positiv fällt auf, dass sich das Beobachtungsverfahren sowohl für die Beobachtung einzelner Kinder, als auch von Kindergruppen eignet. Insgesamt entsteht ein positiver Blick auf das einzelne Kind.

Herr Prof. Dr. Cloos: „Berücksichtigt werden muss, dass wir es immer mit Gruppen von Kindern zu tun haben. Deswegen sollten auch die Fragen: „Wie verhält sich das Kind in der Gruppe? Und Welche Bildungs-Lernwege schlagen die Kinder ein?“ beachtet werden.“