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Wer kennt ihn nicht den guten Kasperl mit seinem ehrlichen und einfältigen Freund Sepp? Wer kennt nicht die vernünftige Grete, die Großmutter, die schöne Fee und die für Ordnung und Gerechtigkeit stehenden Puppen, wie Polizist, König, Prinz, Prinzessin und Wachtmeister? Wer kennt nicht die Bösen, die da sind Hexe, Zauberer, Teufel, Räuber und Krokodil?
Wir alle kennen sie aus unserer Kinderzeit. Und eigentlich sind sie aus unserer heutigen Computerzeit auch nicht wegzudenken. Selbst Polizei und Feuerwehr arbeiten mit dem guten Kasperl. In der Werbeindustrie wird er in der Hygiene- und Umwelterziehung eingesetzt.

Der Name Kasperl geht auf einen der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland (15. Jahrhundert) zurück. Im 18. Jahrhundert galt er als komische Bühnenfigur wie Hanswurst. Er kam in den deutschsprachigen Raum und wurde auf Jahrmärkten zum Vergnügen der Erwachsenen und Jugendlichen dargestellt. Zu der Zeit sprach der Kasperl unterdrückte Aggressionen der Zuschauer an und bot ihnen ein Ventil für ihre Verdrossenheit mit der Obrigkeit. Das führte oft dazu, dass die Spieler wegen Unmoral verboten, vertrieben oder sogar bestraft wurden.
1921 schuf Max Jacob die Hohnsteiner Puppenspiele im Erzgebirge. Der Kasperl verlor seinen vorherigen Charakter und bekam einen weisen und pädagogischen Auftrag, der die kleinen Kinder zum richtigen Tun und Handeln motivieren sollte.
1962 erschien das Kinderbuch „Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler. In diesem Buch erlebt Kasperl mit Seppel spannende Abenteuer.

Im Kasperletheater, in dem alle oben erwähnten Puppen mit in den Einsatz kommen, wird die heutige Weltordnung, genau wie im Märchen, als winzig klein dargestellt. Und so spielen die Figuren, wie im wirklichen Leben, verschiedene Rollen nach dem Abbild des Menschen oder aber, wie der Mensch sein sollte. Die Puppen sind lustig, traurig, frech, listig, launisch oder schwachsinnig. Sie können schüchtern sein, vorlaut und frech, tröstend, die Menschen zum Lachen oder zum Weinen bringen. Sie sind mutig, ängstlich, stark, schwach, klug, lieb, auch böse. Auch dürfen sie dumme Fragen stellen, ihre eigene Meinung sagen, Diskussionen leiten, Streit schlichten oder neue Erfahrungen machen.
Hier im Kasperltheater werden, bedingt durch die Puppen, Gedanken, Gefühle, Empfindungen bei den Spielern selbst ausgelöst, erlebt, erfahren und ausgelebt und auch die Zuschauer können diese aktiv miterleben. Allein deshalb schon finden diese Figuren großen Anklang in der Pädagogik und Psychologie. Denn hier können Erlebnisse über das Puppenspiel klar werden. Übertragungen von nicht verarbeiteten Vorgängen und Gefühlen neu erlebt werden und durch die Puppen direkt geäußert werden. Bedingt durch die Identifizierung mit den Puppen vergessen Kinder, auch Erwachsene, ihre reale Position in der Welt, geben sich ganz und gar ungezwungen und frei in ihre Rolle, in ihr momentanes Spiel.
Hier wird das therapeutische Puppenspiel zum Kommunikationsmittel und zeigt die subjektive Wahrnehmung, das innere eigene Erleben, des Spielers.
Führt ein Stotterer, der sich ungesehen fühlt, eine Puppe, so vergisst er sich selbst und spricht in den meisten Fällen fließend. Die Angst vor Gesehenwerden und Beobachtung wurde ihm genommen. Generell gilt, dass sich Jeder hinter einer Puppe verstecken kann. Die Angst scheint verschwunden, so dass der Spieler Dinge äußern kann, die er sonst nie sagen würde. Selbst die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen wird für ängstliche, verschlossene oder autistische, geistig verwirrte Menschen, nach einiger Zeit, nahezu problemlos möglich.
Kinder, aber auch Erwachsene, können durch die Puppen ihre Sorgen und Probleme äußern und bewältigen. Das heißt für Eltern, für die Pädagogik / Psychologie und Therapie, dass die Puppen für den Spieler(in) und für den Erzieher(in), Betreuer(in) und Therapeuten(in) gleich wichtig sind.
Besondere Bedeutung finden Kasperl und Co. in Theateraufführungen. Zumal hier alle Spieler(innen) noch ihre persönlichen Talente und Fähigkeiten (Musik- und Bühnenbildgestaltung, Drehbuchschreibung) mit einbringen können, so dass sich die ganze Aktion zu einem großen Wir-Gefühl entwickeln kann. Einen ganz besonderen Stellenwert erhalten die Puppen und das gemeinsame Spiel, wenn alle Beteiligten ihre Puppe selbst herstellen und gestalten können. Die eigene Puppe ist absolut einmalig und bekommt einen höheren Stellenwert, da der Beziehungswert zu ihr ein anderer ist.

Kasperle Puppen selbst gemacht. Hier ein Link zur Anleitung:

http://www.peppiclip.de/BastelnPuppen1/html/kasperle-puppen.html

Was ganz wichtig ist: Beim Kasperletheater siegt nach wie vor der Kasperl über das Böse.
Immer sind die Geschichten spannend, ohne Computeranimationen, höchstens mal mit musikalischer Begleitung. Die Puppenspieler, beim Puppentheater, sind Könner ihrer Kunst, und verstehen es die Kinder treffend mit unterschiedlichen Stimmen und Sprachtypen anzusprechen, so dass die Zuschauer regelrecht ergriffen sind und mitfiebern. Die aktive Teilhabe und Mitmachmöglichkeit der Zuschauer und Zuhörer lässt jede Vorstellung zum gelungenen Erlebnis werden. Mit dem Vorhang auf, Bühne frei, kommt der Kasperl und singt sein berühmtes „Tritratrallla, tritratralllla, der Kasperle ist da!“ Jedes Kind lauscht wachsam, konzentriert, verfolgt aktiv die Geschichte und jubelt, fürchtet, erschreckt, freut sich mit den Figuren. Am Ende jedoch ist immer der Kasperl der gute Held, der jeden Bösen entlarvt.

Was lernen unsere Kinder durch das Kasperlespiel?

- gut und böse zu unterscheiden
- kreativ zu sein
- schauspielerische Fähigkeiten zu entwickeln
- sich zu konzentrieren
- zu zusehen
- zu zuhören
- still zu halten
- Geduld zu haben
- Spannungen auszuhalten
- ein Gespür zu entwickeln, um Nein/ Ja zu sagen.
- Wissen anzueignen (Warum ist Zähneputzen wichtig? Wie wird ein Feuer gelöscht?)

Altersmäßig empfehle ich das Spiel mit den Puppen ab 3 Jahren. Sollten sich Kleinkinder vor gewissen Puppen ängstigen, so reicht es, ihnen die Puppen einfach, vor dem Spiel, in die Hand zu geben, damit sie sie ertasten, kennen lernen können und so ihre Angst verlieren.

Uns allen wünsche ich viel Freude!

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