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Das Wort Urlaub geht auf den Begriff „urloup“ aus dem Mittelalter zurück.
Damals verstand man unter „urloup“ Erlaubnis. Man holte sich die Erlaubnis vom Hof oder von der Truppe, wegen dringender Geschäfte, eine zeitlang von seiner Arbeit fern zu bleiben.
Im 18. Jahrhundert bereiste meist der britische Adel Paris, Florenz, Nizza, Venedig, Rom, Wien und das europäische Festland. Durch diese Grand Tour (Bildungsreise) konnten sie deren Kultur kennen lernen, aber auch sich selbst gesundheitlich erholen. Ein bekannter Bildungsreisender seiner Zeit was der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832). 1786 trat er eine fast zwei jährige Reise nach Italien an, die eigentlich nur einige Monate dauern sollte. Aus dieser Zeit (1830) kam das Wort Tourismus. Genauer gesagt, es kam von „le tour“, was Reise und Rundgang bedeutete. Goethe selbst reiste mit eigener Kutsche (Extra Post), die stets Vorfahrt hatte, mit eigenem Bett, Wäsche zum Wechseln, Reiseapotheke, Zahnpulver (Emsersalz), verschiedenen Mitteln gegen Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme und mit seinem Wolfsfelltornister.

In den Fabriken wurde im Laufe der Industrialisierung täglich 16 Stunden (Erwachsene) und 12 Stunden (Kinder) das ganze Jahr hindurch gearbeitet. Aufgrund des zunehmenden gesundheitlichen Verfalls der Menschen solidarisierten sie sich in Gruppen und Gewerkschaften. 1848 kam es in Deutschland zur bürgerlichen Revolution. Eine 24 stündige Sonntagsruhe wurde für Arbeiter, später auch für Angestellte, erst 1895 gesetzlich angeordnet.

Die Reisenden im Mittelalter waren meist junge Adlige, die ähnlich wie Handwerker, Kaufleute, Pilger, Soldaten auf die Walz gingen, um die Welt zu erkunden, um Beziehungsnetze oder Lebenserfahrungen zu sammeln. Die Idee des Reisevergnügens stand zu der Zeit nicht an. Manchmal machten sich auch adlige Damen auf den Weg und liefen, wie die anderen, täglich zwischen 30 – 40 km zu Fuß, ritten zu Pferd oder fuhren mit dem Ochsenkarren. Das Reisen selbst galt als beschwerlich, da man nicht die Orientierung verlieren durfte (keine Wegweiser, keine Straßennamen) und da man ganz und gar der Natur (Wind, Schnee, Regen, Sonne) ausgesetzt war. Hinzu kamen Raubritter, Wegelagerer, Bären und Wildschweine, die den Reisenenden auf den Hauptverkehrswegen der Könige zu schaffen machten.
In den Herbergen fanden die Abenteurer im Allgemeinen Ruhe und erfuhren von anderen stets willkommenen Gästen oft Neues über andere Weg- und Unterkunftsverhältnisse, aber auch, wo man Flüsse am besten überqueren könnte und ähnliches mehr.

Das Reisen bezüglich der Idee des Vergnügens stammt aus der Epoche der Romantik. Thomas Cook, ein großer deutsche Reiseveranstalter, bot seinem Kundenkreis Pauschalreisen Transport, Unterkunft, Versorgung und Vergnügen zugleich an. Bereits 1872 vermittelte er eine 222 tägige Weltreise. Doch wer konnte diese Reise antreten? Zu wenig Beschäftigte bekamen Urlaub und konnten sich diese Reise finanziell nicht erlauben. Es gab in den Fabriken keinen geregelten Urlaub, abgesehen von den Beamten. Sie erhielten bis zu sechs Wochen Urlaub im Jahr.
Der „Blaue Montag“ galt im Mittelalter als der Tag, den die Handwerkern ihren Meistern abgebettelt hatten, um sich zu regenerieren. Diesen Tag könnte man, abgesehen von den kirchlichen Feiertagen, als den ersten Urlaubstag verstehen.
Der erste geregelte Urlaubsanspruch geht auf die Gewerkschaften in der Weimarer Zeit zurück.
1907 wurde zum ersten Mal durch die Gewerkschaftspresse Urlaub eingefordert. Ludwig Rexhäuser beklagte in einem Correspondeszblatt, daß Arbeiter vom Urlaub ausgeschlossen wären, und daß gerade sie doch “sich wenigstens alle Jahre für eine kurze Woche von dem Schmutz und Staub der Werkstatt oder Fabrik” zu erholen hätten.

Um die Wende des 19. / 20. Jahrhunderts wurde in Europa die ersten gesetzlichen Regelungen für den Erholungsurlaub eingeführt, der drei bis sechs Arbeitstage im Jahr umfaßte . Der Erholungsurlaub hat den Sinn, daß sich der Arbeitnehmer in diesem Zeitraum erholt, Freizeit und Entspannung erfährt, um die anschließende Arbeitsleistung erhöhen zu können.

Die ersten richtigen Vergnügungs- und Erholungsreisen entwickelten sich im 19. Jahrhundert. Man reiste mit dem Orientexpreß nach Istanbul oder mit dem Dampfschiff nach Ägypten, mit großen Schrankkoffern, extravaganten Kleidern, etlichen Hutschachteln und Schminkutensilien. Heute erinnern Agathas Christies Krimis „Mord im Orientexpress“ oder „Der Tod auf dem Nil“ an dieser Zeit.

In der Zeit von 1933 – 1939 gab es die Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront „Kraft durch Freude“ der nationalsozialistischen Gemeinschaft. Sie hatte zur Aufgabe die Freizeit der deutschen Bevölkerung zu überwachen, zu gestalten. Das Amt für Reisen, Wandern und Urlaub war der größte Reiseanbieter im Dritten Reich, der Land- und Seereisen arrangierte.

Heute beträgt der jährliche Urlaubsanspruch, je nach Land, zwischen vier und sechs Wochen. Die Europäische Union schreibt in Art. 7 der Arbeitszeitrichtlinie einen Mindesturlaub von vier Wochen vor. In den USA gibt es keinen gesetzlich geregelten Urlaubsanspruch und auf anderen Kontinenten, ist der Urlaub meist viel kürzer als bei uns.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts bereiste das wohlhabende Bürgertum, für ein bis zwei Wochen, die Nord- und Ostseeküste. Der Otto Normalverbraucher reiste nach dem Zweiten Weltkrieg ins Deutsche Mittelgebirge, zumal die Deutschen im Ausland nicht gern gesehen waren. Mit dem Wirtschaftswunder, in den 50er Jahren, reisten 1958  3,5 Millionen Deutsche nach Italien, Südtirol und zum Gardasee. Anschließend erfolgte die Mollorca – Reisezeit. In den 60er Jahren galten die Balearen als Geheimtipp für Entdecker und in den 70 er Jahren sahen die Spanier die Deutschen als willkommene Gäste, die Geld ins Land brachten. Im Laufe der Zeit wurden die Reisen exotischer und entfernter. Thailand und Malediven wurden zu Prestigereisen. In Ostdeutschland verreisten die Menschen aufgrund der politischen Lage gezwungenermaßen zwischen Ostsee, Thüringer Wald und gegebenenfalls auch nach Ungarn.

Das heutige Reisen ermöglicht nahezu alles. Von der Schiffs-, über Flugreise in nahe oder entlegende Ferienorte, per Fuß durch die deutschen Mittelgebirge oder durch die Wüste, zu den Wellnessangeboten, zu Abenteuerreisen, Freiklettern und Höhlenwanderungen. Alles ist durchführbar. Der Erholungswert steht bei allen an der ersten Stelle. Meistens in dem Sinne: Hauptsache Sonne und Wasser.

Seit 1990 sind die Flugreisen bedeutend günstiger geworden, so daß jetzt nahezu Jedem alle Türen offen stehen und gewisse Ziele den Reichen nicht mehr allein vorbehalten bleiben. Da immer mehr Reisen via Internet bereits gebucht wurden, gerieten großen Tourismusunternehmen in Bedrängnis. Viele Menschen wollen heute nicht mehr einen dreiwöchigen Urlaub in den Bergen oder am Meer, sondern sie teilen den Urlaub auf, indem sie eine Städtereise im Frühjahr, im Sommer am Meer, im Herbst ein Wellness – Wochenende und im Winter den Skiurlaub planen und buchen. Ob der heutige Urlaub tatsächlich einen Erholungswert erhält, ist nicht mehr garantiert. Kurze Urlaubszeit, Streß, zu viele und zu hohe Erwartungen bringen oft nicht die Erholung und diese Tatsache ruft wiederum viele Alternativreiseveranstalter auf den Plan. Sie werben mit „sanftem Tourismus“. So ist es heute möglich umwelt- und sozialverträgliche Ferien zu buchen. Manche tauschen via Internetbörsen ihre Wohnungen für die Ferien und bieten kostenlos ihre Couch zum Übernachten an.

Festzuhaltend gilt, daß im Bundesurlaubsgesetz sämtliche Inhalte wie Dauer des Urlaubs, Urlaub im öffentlichen Dienst, Zusatzurlaub für Schwerbehinderte, Staffelung der Urlaubsdauer nach Lebensalter, Vergütung während des Urlaubs, Urlaub im Krankheitsfall usw. geregelt sind.

Wo wir auch immer sind, ob im Garten, auf dem Balkon, im In- oder Ausland, in den Bergen, auf hoher See oder hoch über den Wolken, immer wünsche ich uns allen eine erholsame, fröhliche Urlaubszeit. Auf daß wir mit neuen Kräften in den Alltag gehen können.

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