Abschlusstagung 10.11.2016

Am 10.11.2016 stellten die Beteiligten des Forschungsverbunds in Holzminden ausgewählte Ergebnisse aus ihren Projekten vor und diskutierten diese mit den Projektpartner_innen des Forschungsverbunds und weiteren Beteiligten und Interessierten aus den Arbeitszusammenhängen der Teilprojekte.

Deutlich wurde, dass die Entwicklung ländlicher Räume externe Entwicklungsimpulse in Form von Fördermitteln und Investitionen braucht. Aber auch die Nutzung der so genannten endogenen Potenziale - wie die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen in den Dörfern oder Kleinstädten– spielt eine wichtige Rolle für die Zukunftsfähigkeit. Diese Entwicklungsprozesse müssen koordiniert und moderiert so eine Erkenntnis aus mehreren Forschungsprojekten.

Das Projekt „Lebensqualität in Dörfern und Dorfentwicklung“ von Prof. Dr. Ulrich Harteisen und Dr. Swantje Eigner-Thiel brachte die Erkenntnis, dass vorhandene Potenziale zum Teil bereits kreativ genutzt werden, um sich den heutigen Problemen zu stellen. Neben den politischen Strukturen seien neue Vereine gegründet worden, wie die „Zukunftsrunde“ in Bodensee, der „Runde Tisch Uthlede“ oder die „Dorfgemeinschaft“ in Neuvrees. „In Dorferneuerungsprozessen sollte die soziale Infrastruktur mehr im Mittelpunkt der Förderung stehen, denn die technische Infrastruktur ist in den meisten Dörfern gut, so Eigner-Thiel und Harteisen.

Die Verbindlichkeit der Menschen ist in ländlichen Räumen größer als in Städten, so eines der Forschungsergebnisse des Projektes „Willensbildung und Entscheidungsfindung in Sozialraum und Verwaltung“. Auch komplexere Dinge könnten durch kürzere Wege relativ einfach umgesetzt werden: „Es hat in Holzminden nur 15 Monate von der Idee bis zur ersten konstituierenden Sitzung des Seniorenbeirats gedauert“, fasst Professor Dr. Gerhard Litges zusammen.

„Der vertrauensvolle Umgang miteinander ist ein zentraler Aspekt. Wenn es große Vertrauensbestände gibt, können große Projekte, wie zum Beispiel der Kulturbahnhof in Cloppenburg umgesetzt werden“, referierte Dr. Anke Kaschlik über einen wesentlichen Befund aus ihrem Projekt „Standentwicklungspolitische Entscheidungsfindung in kleinen Städten“. Die Verwaltungsprofessorin untersuchte die Frage: „Wer bestimmt bei Entwicklungsprozessen mit und wer ist ausgeschlossen?“ 

Insgesamt elf Themenbereiche erforschte die HAWK in Kooperation mit Praxispartnerinnen und Praxispartnern sowie Bürgerschaft vor Ort. „Wir sind in den fünf Jahren einen großen Schritt vorwärts gekommen“, resümierte Prof. Dr. Ulrich Harteisen, Forscher an der HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen und einer der Sprecher des Forschungsschwerpunkts. „Wir konnten eine ganz neue Forschungsinfrastruktur entwickeln, personell und strukturell, in einem Bereich, der noch vor kurzem gar nicht gesehen wurde.“ Durch den Forschungsschwerpunkt „Dialog“ habe das wissenschaftliche Profil „Erforschung und Gestaltung von Transformationsprozessen in ländlichen Räumen“ fest an der HAWK verankert werden können.

Dazu gehöre unter anderem auch die Etablierung des Zukunftszentrums Holzminden-Höxter (ZZHH). An einer Fachhochschule sei dies etwas ganz Besonderes. „Darauf können wir stolz sein.“ Hinzu käme, dass im Rahmen von „Dialog“ drei Promotionen realisiert würden. „Wir haben nachgewiesen, dass wir Promovenden gut betreuen können.“

Prof. Dr. Alexandra Engel, Projektverantwortliche seitens der Holzmindener Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen, sieht das Ende der Förderungsdauer von fünf Jahren auch nicht als Schlusspunkt. „Wir stehen nicht am Ende, wir stehen mittendrin. Wir entwickeln weiter Themen und Projekte. Wir versuchen zu schauen, wo wir positive Entwicklungen befördern können, um die Potenziale in ländlichen Räumen so nutzbar zu machen wie sie unseres Erachtens eben auch vorhanden sind.“ Zahlreiche Folgeprojekte fußten auf den Ergebnissen des Forschungsschwerpunktes „Dialog“. Der entwickelte disziplinäre, interdisziplinäre und transdisziplinäre Ansatz sei sehr nachgefragt. „Die HAWK forscht und entwickelt dort, wo die Herausforderungen entstanden sind und bearbeitet werden müssen und dies auf Augenhöhe mit Expertinnen und Experten vor Ort aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Vereinen und Verbänden.“

„Durch das Projekt entstand eine konkrete Analyse, auf die wir unsere künftigen Entwicklungen aufbauen können, außerdem haben wir neue Handlungswege aufgezeigt bekommen“, zieht Dr. Jutta Klüber-Süßle von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Holzminden eine positive Bilanz der vergangenen fünf Jahre. Und auch Dr. Ulrike Witt, Leiterin des Projektbüros des Südniedersachsenprogramms, sieht wesentliche Impulse, die von den Forschungsergebnissen der HAWK ausgehen: „Der Wissenstransfer in die Praxis ist für mich sehr gut gelungen, mir ist noch einmal klar geworden, wo Perspektiven für Regionalentwicklung sind, wo vielleicht auch Hemmnisse sind und welche Bereiche man in Zukunft auch für so ein Programm wie Südniedersachsen stärker in den Fokus nehmen könnte.“

(Sabine zu Klampen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der HAWK)

 

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