Dorfmoderatorentagung 19.-21.4.2015

Tagung zur Dorfentwicklung


Moderation als sozialer Kitt im Dorf

 

Die „Moderation in der Dorfentwicklung“ unter dem Motto „Alle kommen zu Wort!“ stand im Fokus eines Symposiums im Göttinger IC-Hotel. Veranstalter waren der Landkreis Göttingen, vertreten durch die Demografiebeauftragte Regina Meyer und den Regionalmanager Dr. Hartmut Berndt, sowie die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Göttingen, Fakultät Ressourcenmanagement, vertreten durch Prof. Dr. Ulrich Harteisen und Dr. Swantje Eigner-Thiel. Unterstützt wurde das Symposium von der LEB – Ländliche Erwachsenenbildung Niedersachsen.

Ca. 70 Personen aus der Wissenschaft, aus Verbänden, Planungsbüros, Ministerien und auch Gemeinderäten nicht nur aus Dörfern des Landkreises Göttingen kamen, um einem dichten Vortragsprogramm zur Unterstützung von Dorfprozessen und einem Austausch in Arbeitsgruppen am Montag beizuwohnen und am Dienstag bei bestem Wetter an einer Exkursion in die Dörfer Hemeln (Landkreis Göttingen) und Heckenbeck (Landkreis Northeim) teilzunehmen.

 

 

Bürgermeister Urhahn führt die Gruppe durch Hemeln

 

 

 

 

 

 

Nach einer Begrüßung und Würdigung durch die Erste Kreisrätin Christel Wemheuer standen im Mittelpunkt der Tagung Formen der Unterstützung von Dorfentwicklungsprozessen aus verschiedenen Regionen Deutschlands: Die „Zukunftswerkstatt Dorf in NRW, Oberbergischer Kreis“ (Kerstin Gipperich), „Dorfmoderation im Rahmen der Dorferneuerung in Rheinland-Pfalz“ (Dr. Christine Halfmann), „IKEK-Integrierte Kommunale Entwicklungskonzepte in Hessen“ (Dr. Michael Glatthaar), „Vorbereitungs- und Informationsphase in der Dorfentwicklung Niedersachsen“ (Michael Schmidt), „Dorfgespräch Oesede“ (Klaus Ludden), „Dorfmoderation Südniedersachsen“ (Dr. Hartmut Wolter) und „Förderung der Dorfmoderation in Niedersachsen durch Engagementlotsen und Dorfmoderatoren“ (Regina Meyer, autorisiert von Klaus-Dieter Karweik) waren Konzepte, die vorgestellt und diskutiert wurden. Als roter Faden durch die Tagung zog sich die Beschäftigung mit vier Fragen:

  1. Auslöser: Wie können Moderationsprozesse in Dörfern initiiert werden?
  2. Verstetigung: Wie kann Dorfmoderation institutionalisiert und dauerhaft finanziert werden?
  3. Legitimierung: Wie kann Dorfmoderation demokratisch verankert werden?
  4. Qualifizierung: Welche Fähigkeiten und Kompetenzen braucht ein Dorfmoderator?

 

 

 

Dorfmoderatorin N. Riemann und Bürgermeister A. Urhahn

 

 

 

 

 

  

 

 

 

Insbesondere der Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Konzepten und die Besuche der beiden Dörfer Hemeln und Heckenbeck wurden von den Teilnehmern als sehr bereichernd empfunden. In Hemeln führten der langjährige Ortsbürgermeister Alfred Urhahn und die Dorfmoderatorin Nortrud Riemann die Gruppe durch das Dorf, berichteten von positiven Erfahrungen der gemeinsamen Arbeit für den Ort und zeigten Ergebnisse. Ricarda Polzin präsentierte als junge Ortsvorsteherin ihr buntes Dorf Heckenbeck, das seit 30 Jahren mit wachsenden Bevölkerungszahlen dem demografischen Wandel trotzt und durch innovative Konzepte wie die Gründung einer freien Schule für Schüler bis zur 10. Klasse oder einem solidarischen Gemüseanbau das Dorfleben attraktiv hält.

 

Frei Schule Heckenbeck

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Fazit hielten die Veranstalter fest, dass Dorfentwicklungsprozesse vor allem das soziale und kulturelle Leben im Blick haben sollten. „Die Dorfbewohner müssen dabei unterstützt werden, ihre Zukunft und damit ihre Lebensqualität im Dorf selbst in die Hand zu nehmen!“, so Prof. Dr. Ulrich Harteisen von der HAWK. Soziale Innovationen sollten deshalb zugelassen und unterstützt werden, um Chancengerechtigkeit und Teilhabe in ländlichen Räumen zu ermöglichen.

Im Landkreis Göttingen sollen die Erkenntnisse der Tagung u.a. dafür genutzt werden, das Curriculum für die Ausbildung zur Dorfmoderatorin oder zum Dorfmoderator, das  durch die Freie Altenarbeit (FAG) angeboten wird, weiter zu optimieren. Der Austausch zwischen den verschiedenen bundesweit unterschiedlichen Ansätzen soll fortgeführt werden.

Ansprechpartner_innen:
Regina Meyer, Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen, Tel. 0551 / 525 805
Prof. Dr. Ulrich Harteisen, HAWK
Dr. Swantje Eigner-Thiel, HAWK

 

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