Familienbilder im Fernsehen

Eine Studie von Adolf Grimme Instituts unter der Leitung von

Irmela Hannover und Arne Birkenstock zum Thema

„Familienbilder im Fernsehen –

Familienbilder und Familienthemen in fiktionalen und nicht-fiktionalen Fernsehsendungen

 

Diese Studie unter folgendem Link abrufbar:

 

2004 wurden vier Wochen lang deutsche Fernsehfilme beobachtet mit dem Ziel das vermittelte Familienbild im Fernsehen zu beschreiben. In Kapitel V. Teilstudie: Fernsehfilme werden die Ergebnisse analysiert und mit den demographischen Daten der deutschen Bevölkerung verglichen. Einige der Ergebnisse werden auf den folgenden Seiten komprimiert wiedergegeben:

 

 

1. Die Darstellung von Kindern und Jugendlichen

 

Filmanzahl:                               14

Kinder als Filmprotagonisten:       14%

Familiäre Beziehungen; Anzahl:    25

 

- Im Vergleich zu den Bevölkerungsdaten, bei denen 22,3% zwischen 0 und 21 Jahren liegen, sind Kinder im deutschen Fernsehen unterrepräsentiert.

 

- Einzelkinder unter den Filmkindern sind in der Überzahl. Im Fernsehen sind über die Hälfte der Kinder ohne Geschwister vorzufinden, während im realen Leben nur ¼ aller Kinder als Einzelkind aufwachsen.

 

- Kinder werden nie als Belastung und Problem, sondern als Bereicherung dargestellt.

 

- Die Familien mit Kindern unter 21 Jahren haben einen gleichberechtigten, liebevollen und vernünftigen Umgang miteinander, während in den erwachsenen Familienbeziehungen das Gegenteil im Umgang miteinander präsentiert wird.

 

- Von den 14 Filmen weist lediglich nur eine Familie 3 Geschwister auf. Diese stellt eine Trabberfamilie dar, die einen lieblosen, verständnislosen und dominanten Umgang zu den Kindern zeigen. Hier wird eindeutig ein klischeehaftes Bild von Familien der Unterschicht auferlegt.  

(S.91ff)

 

2. Die Darstellung von weiblichen Akteuren

 

Filmanzahl:                                                       14

Weiblichen Akteure in Haupt- und Nebenrollen:      49

 

- Über die Hälfte der Frauen sind ledig. Im Vergleich hierzu leben im wahren Leben 22,8% alleine.

 

- Nur 10% sind verheiratet, während in der Realität 27,1% mit Kind(ern) in einer Ehe leben.

 

- 18% sind alleinerziehend, dagegen sind im wahren Leben 6% aller Frauen Alleinerziehende.

 

- Nur 4% der Frauen im Fernsehen leben in einer klassischen Ehe mit leiblichem Kind.

 

D.h. im Fernsehfilm gibt es mehr als doppelt so viele Singles und dreimal so viele Alleinerziehende wie im wahren Leben. Dafür gibt es in der Realität fast siebenmal so viele Ehen mit Kindern wie in der Filmwelt.“(S.83)


 

- Die größte Gruppe ist die der unter 35 Jährigen.

 

- Die Mehrheit ist eher attraktiv und über die Hälfte übt einen Akademikerberuf aus.

 

- Es sind keine Hausfrauen zu sehen, eher Frauen in einer Art Familienpause.

(S.83f)

 

 

3. Die Darstellung von männlichen Akteuren

 

Filmanzahl:                                       14

Männliche Haupt- und Nebendarsteller: 55

 

- Etwas weniger als die Hälfte der Männer sind ledig.

 

- 13% sind verheiratet, 11 % geschieden und zu einem geringen Teil verwitwet.

 

- Bei fast 1/3 aller Akteure ist kein Familienstatus erkennbar. Sie werden eher in ihrem beruflichen Zusammenhängen dargestellt.

 

- Im Gegensatz zu den Frauen werden 7% der Männer in einer klassischen Ehe mit Kind dargestellt.

 

- Mit 38% liegt der Singleanteil der Männer unter der Anzahl der Frauen, die mit 51% erheblich mehr vorkommen.

 

- Die Alleinerziehenden Männer sind wie im wahren Leben sehr gering vertreten.

 

-  Der Anteil männlicher Singles ist im Film doppelt so hoch wie in der Realität, verheiratet mit Kind sind im wahren Leben dagegen viermal so viele Männer wie im Film.“

 

- Es werden mehr Männer (51%) als Frauen (39%) mit einem Akademikerberuf präsentiert.

 

- In den Medien erscheinen keine Hausmänner.   

 

- Dafür, dass keine Ungelernten im Fernsehen zu entdecken sind, stellt ein Teil von ihnen Kriminelle oder Arbeitslose dar.

(S.85f)