Gewalt und Vernachlässigung

 

Format: Reportage/ hr-info Serie/ Deutschland, April 2007

 

CD: 3/ Audio/ Kinder sind Zukunft

Sender: hr-InfoAktuell

Thema: Vernachachlässigung und Gewalt

Sendezeit ab: 2:00 Minuten

Sendelänge: 7 Minuten

 

Themenschwerpunkte: Vernachlässigung/ Gewalt/ Armut/ Kinderarmut/ Kinderschutzbund/ Harz IV/ Gesundheit/ Bildung/ Chancen/ Arbeitslosigkeit/ Überforderung

 

Inhaltsangabe:

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema Vernachlässigung und Gewalt bei Kindern. Dazu wird Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes befragt. Die Sendung beginnt mit einigen Aussagen von Kindern und Jugendlichen zu Vernachlässigung und Gewalt. Anschließend startet das Interview mit der Kernfrage nach den Ursachen dafür, dass in Deutschland Kinder unter derartigen Bedingungen leiden. Im Kontext zur Themaerschließung wird sich im Gespräch auch sehr intensiv mit Armut auseinandergesetzt. Die Kinderarmut in Deutschland ist in den letzten Jahren mehr gestiegen, als in anderen Industrienationen. Mehr als jedes dritte Kind unter 18 Jahren lebt in Deutschland auf Sozialhilfeniveau. Heinz Hilgers verdeutlicht an dieser Stelle den Zusammenhang zwischen Armut und Gewalt/ Vernachlässigung. Von 2004 bis 2007 ist die Anzahl der in Armut lebenden Kinder von 1,1 Mio auf 2,5 Mio gestiegen. Im selben Zeitraum haben sich gleichzeitig auch die Gewalttaten gegen Kinder verdoppelt. Der Gewaltanstieg gegen Kinder hat also auch dramatisch zugenommen. 90% aller Vernachlässigungs- und Gewaltfälle geschahen in Familien aus dem Armutsmilieu. Im Durchschnitt sterben drei Kinder in der Woche an den schlimmen Folgen.

Ursachen dafür sind als erstes in der Erwerbslosigkeit/ -Unfähigkeit der Eltern zu sehen. Sie werden zunehmend demotivierter, depressiver, antriebsloser und fühlen sich deshalb schneller überfordert und regieren vermehrt gereizt. Das alleine ist aber noch keine Ursache. Es existieren viele individuelle Ursachen, meist ein Konstrukt vieler Probleme wie Drogenprobleme, Beziehungskonflikte, Krisen, etc.. Daraufhin fragt der Moderator, wo angesetzt werden muss, um etwas an der Situation zu verändern. Die Gesellschaft steht in der Verantwortung etwas zu tun. Vor allem Einrichtungen der freien und öffentlichen Jugendhilfe sind aufgefordert, frühzeitig mit den Familien in Kontakt treten, Hilfe anzubieten und zu leisten. Die jeweiligen Angebote der Hilfeeinrichtungen sollten ihre Unterstützungsmöglichkeiten präsentieren. Wichtig hierbei ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit.

Es muss alles getan werden, um diesen Kindern bessere Chancen zu bieten, damit sie aus dem Teufelskreis herauskommen und sich die Armut nicht auch auf die nächste Generation verlagert.

Relevant sind in diesem Zusammenhang die Bildungs- und Gesundheitsführsorge. Diese Faktoren sind entscheidend für das Wohlbefinden der Kinder, um glücklich leben und sich gut entwickeln zu können. Doch in Armutsfamilien sind Bildungs- und Gesundheitsführsorgen meist schlecht organisiert, die Folge ist, dass die Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit später auch Leistungsempfänger, statt Leistungsträger werden.

In den letzten Minuten kritisiert Heinz Hilgers Harz IV. Seitdem die Reform Einmalzahlungen (Schulsachen, Anziehsachen...) abschaffte und mit jetzt gerade mal 15 € mehr im Monat ersetzt, haben die Familien noch mehr Problem die Kinder bedarfsgerecht zu unterhalten. Hilgers führt dazu ein Beispiel auf: viele Kinder in Schule haben kein Frühstück oder Mittag mit, manche haben nicht einmal Sportbekleidung. Bei der Harz IV Reform ist laut Hilgers vieles schief gegangen, was nun seine Auswirkungen zeigt.  

 

Rezension:

Ein sehr informativer und ernüchternder Beitrag mit teilweise erschreckenden Fakten und Zahlen über Kindesarmut, Gewalt gegen Kinder und Vernachlässigung. Insbesondere die Verdopplung von Armut und Gewalt sind beunruhigend. Schlimme Aussichten für die Zukunft Deutschlands? Der Hörbeitrag konzentriert sich überwiegend auf der sachlichen Berichterstattung, nur am Rande sind emotionale Regungen des Moderators und von Heinz Hilgersen wahrnehmbar. Aufgrund der Informationsfülle, die an den Hörer herangetragen wird, empfand ich die Länge von 7 Minuten sehr angenehm und die inhaltliche Ausgestaltung hervorragend komprimiert.