Als Schülerin hat man keine Babypause

 

Format: Reportage von Nail Al Saidi/ Sendereihe Dschungel-Epedition/ Deutschland, 2007

Weiter Daten: Moderation Miriam Buse

 

CD: 3/ Audio/ Kinder sind Zukunft

Sender: SWR2

Titel: Dschungel-Expedition

Thema: Junge Mütter

Sendezeit ab: 3:24 Minuten

Sendelänge: 29 Minuten

 

Themenschwerpunkte: Mutter-Kind-Heim/ junge Mütter/ Teenager/ Schwanger/ Baby/ Wohngruppe/ Betreuung/ Mädchen/ Soziale Arbeit/ Sozialarbeiter/

 

Inhaltsangabe:

Der Beitrag handelt von den zwei jungen Müttern Sandra und Bianca. Mütter die fast selbst noch Kinder sind. Sandra bekam ihr Baby mit 14 Jahren und Bianca in einem Alter von 15 Jahren. Beide leben jetzt in einem Mutter-Kind-Heim der Harzstiftung in Karlsruhe. Dort verfügen sie über eine eigenes möbliertes Appartement und ständiger Betreuung und Hilfe.

Eine seit 7 Jahren tätige Sozialpädagogin beschreibt die Einrichtung und deren Hilfemöglichkeiten. Das Mutter-Kind-Heim bietet etwas mehr, als die meisten anderen Heime: hier gibt es eine ganztägige hauseigene Kinderbetreuung und eine Chance die Schule nachzuholen bzw. eine Ausbildung zu machen, so wie beispielsweise Sandra als Konditorin. Bianca geht wieder zur Schule, um den Hauptschulabschluss nachzuholen. Das Einrichtungsgebäude hat zwei Etagen und ist entsprechend auch nach den Betreuungskriterien ausgerichtet. In der oberen Etage, wo Sandra und Bianca leben, befindet sich die mehr zubetreuende Gruppe. Schritt für Schritt werden sie an die Selbstständigkeit herangeführt. Dann können sie in die untere Etage ziehen, wo sich die sogenannte Verselbstständigungsgruppe aufhält. Diese Gruppe muss sich komplett Selbstversorgen und bekommt zunehmender weniger Hilfe von den Betreuern. Als nächste und letzte Wohnstation auf dem Weg in die absolute Selbstständigkeit ist eine außerhalb untergebrachte Wohngruppe mit 3-4 Stundenbetreuung in der Woche.

Doch zurück zu Sandra und Bianca. Wie die meisten anderen Bewohnerrinnen auch, kommen sie aus sehr schwierigen Lebenssituationen mit nur wenig familiären Backround. Beide kommen aus Familien mit Alkoholikereltern von denen sie keine angemessene Unterstützung erwarten können. In der Einrichtung lernen sie nun für sich und ihr Kind richtig zu sorgen. Die früheren Zeiten, in denen sie schuleschwänzten, mit Freunden abhingen und Zeit totschlugen, sind vorbei. Schülerinnen haben keine Babypause, dass merken auch die beiden und es ist vergleichbar mit einer berufstätigen Mutter. Kein Zuckerschlecken. In der „Freizeit“ stehen die Kinder im Mittelpunkt: wickeln, spielen, trösten, füttern und ins Bett bringen – kein Spiel, sondern eine Lebensaufgabe.

 

Rezension:

Der Beitrag zeichnet sich besonders durch seine authentische Berichterstattung aus, da die Mütter selbst ihre Situation schildern. Sie scheinen ihr Leben aufgrund der Hilfe gut zu meistern und wirken für ihr Alter schon sehr weit. Toll fand ich, dass beide der Meinung waren, wenn sie das Baby nicht bekommen hätten, wären sie mit Sicherheit abgerutscht und würden das Leben niemals so geregelt kriegen. Positiv war weiterhin, dass Bianca und ihr Freund Benjamin, auch der Vater von Lukas, immer noch zusammen sind und er sich täglich liebevoll um seine kleine Familie kümmert. Mit Sicherheit eher eine Ausnahme.

Die Reportage ist sehr informativ, da auf viele Dinge eingegangen wird: Was es bedeutet, so jung Mutter zu werden; Hintergrundinformationen über die familiäre Situation, Rolle eines Mutter-Kind-Heimes und konzeptionelle Einblicke; mögliche Hilfestellungen; Aufgaben eines Sozialpädagogen; pädagogischer Umgang uvm. „Als Schülerinnen hat man keine Babypause“, ein Hörbeitrag, den es sich lohnt anzuhören.