Diskurs - Amok und Medien - II Spezieller Teil

------- Bedeutung der Medien -------

 

„Nun zeigen viele Medien die Zahl der Einschusslöcher, die ein Täter verursacht hat. Diese Visualisierung wirkt auf einen potenziellen Täter wie Pornografie auf einen Sexualstraftäter. Das ist eine scharfe These, aber seit wir Amokläufer in der westlichen Welt kennen, wissen wir, dass sie Zeitungsausschnitte sammeln. Die Täter suchen Material. Bilder und Videos können sie bestärken. Bestimmte Berichte animieren Trittbrettfahrer.“ (Vgl. Dobbert, 2009)

 

Die Medienberichte über Amoktaten und deren Täter spielen eine entscheidene Rolle bei Nachahmungsversuchen oder -androhungen. 

Viele Amoktäter beschäftigen sich intensiv mit früheren Amokläufen und finden besonders interessante und viele Informationen in Medienberichten. Diese Berichte können dazu führen, dass sie dadurch erst erste Ideen für eine mögliche Tat bekommen oder aber dass sie dadurch ihre geplante Tat weiter entwickeln bzw. sie durch bestimmte Ideen beeinflusst. Eventuell können die Täter auch Ähnlichkeiten mit früheren Amokläufern feststellen und sich mit diesen Tätern identifizieren. Teilweise werden frühere Amokläufer auch zu Idolen und Vorbildern erklärt und Die Täter versuchen sich mit ihnen zu messen oder sie gar zu übertrumpfen (Daher findet man auch oft Übereinstimmungen zu früheren Taten, wie beispielsweise Jahres- oder Monatstage). 

Ebenso finden sich in den Aussagen der jugendlichen Täter immer wieder klare Bezugnahme zu früheren Vorfällen. („Mehr Tote als in Columbine“, „Erfurt war erst der Anfang“). Sogar Kleidung, Waffenwahl und Vorgehensweise werden an früheren Taten angeglichen.

Sie bekommen Gründe geliefert, die ihre geplante Tat sozusagen rechtfertigen.

 

„Die Medien müssen die Sensationslust eines breiten Publikums befriedigen. Dieses Publikum kann mit solch unkommentierten Bilderserien oder Videos umgehen, aber Menschen, die Ähnliches im Kopf haben wie die Amokläufer, sehen diese Bilder anders.“ (Vgl. Dobbert, 2009)

 

Angehende Täter können durch die Medienbericht auch dadurch bestärkt werden, dass sie erkennen, wie viel Aufmerksamkeit und welche Bekanntheit der Täter durch seine Tat erlangt. Vor allem in den neueren Fällen von Amokläufen fällt es auch, dass die Täter bewusst die neuen Medien nutzen, um beispielsweise ihre Absichten, ihren Hass, mögliche Ursachen und auch mögliche Opfer publik zu machen.

Diese Selbstdarstellung vieler Täter bietet ihnen viel mehr Möglichkeiten die Zeit nach der Tat zu bestimmen. Beispielsweise bestimmt er dadurch selbst, was für ein Bild die Öffentlich von ihm als Person und Täter haben soll, welche Meinungen er in Videobotschaften vertritt und wie er in Erinnerung bleiben will.

  • Im Fall von Emsdetten hat der Amokläufer auch kurz vor seiner schlimmen Tat Videoaufzeichnungen ins Internet gestellt. Somit hatte er die Vergewissheit, dass sie gesehen werden und nicht von der Polizei sichergestellt werden und der Öffentlichkeit "vorenthalten" werden.
  • Im Ausland fungieren Täter meist genauso. Der Täter an der Universität Virginia Tech in Blacksburg hatte ebenfalls vor seiner Tat aufgezeichnete Videos publik gemacht. Er schickte diese per Post an den Nachrichtensender CNN.
  • In Finnland im Jahr 2007 kündigte ein Jugendlicher vor einem School Shooting seine Tat im Internet an und veröffentlichte Fotos und Filme. (Auszug: "Es ist Zeit die natürlich Selektion und das Überleben des Stärksten wieder auf den richtigen Weg zu bringen.") (Vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.54f)

(Bild-Quelle: http://www.haz.de/layout/set/gallery/Mediathek/Fotostrecken/16-Tote-bei-Amoklauf/amok12/%28at%29/34059 )

Allerdings müssen solche Videobotschaften und die darin enthaltenen Aussagen über mögliche Tatmotive nicht immer ganz der Wahrheit entsprechen. Aufgrund der medialen Darstellung und der Verbreitung erscheint es höchst fragwürdig, ob der Täter wirklich alle Beweggründe nennt und mit allen Leuten sein Innerstes teilen möchte.

„Junge männliche Täter: Sie sind jung, fasziniert von Waffen und kommen aus stabilen Milieus. Es ist eine Illusion, zu glauben, ein allgemeines Motiv ergründen zu können.“ (Vgl. Dobbert, 2009)

Die Medien, vor allem das Fernsehen, macht einen großen Teil der heutigen Freizeitbeschäftigung unter Jugendlichen aus. Somit stehen die Fernsehsender und die Spielentwickler mehr denn je in der Verantwortung keine jugendgefährdenden Dinge zu zeigen und zu verbreiten. Jedoch ist das nicht immer der Fall, obwohl die Massenmedien heute immer mehr das Weltbild der Jugendlichen prägt.

 

 

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