Projekte |  Institutionen |  Wissenschaftler ]
Gesprächs-Selbsthilfegruppen. Interviews mit Aussteigern und Dabeigebliebenen

Durchführende Institution(en)
Universität Berlin (Technische Universität), Fachbereich Gesellschafts- und Planungswissenschaften

Projektlaufzeit/ -status
Projektlaufzeit bis 1990

Projektleitung/ -mitarbeit
Vogel, R. ; Jaeggi, E. ; Legewie, H. ; Görlitz, D.

Forschungsschwerpunkte
Selbsthilfegruppen

Ziele
Den Hintergrund des Dissertationsprojekts bildete die Erfahrung, daß sich viele Gesprächs-SHG nach kurzer Zeit wieder auflösen bzw. von den ursprünglichen Interessenten nur ein kleiner Teil für längere Zeit an einer solchen Gruppe teilnimmt. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, wie „Aussteiger“ einen ‚SHG-Fehlversuch‘ verarbeiten und Orientierungshilfen für die Beratung von Selbsthilfe-Interessenten und für die Iniitierung von SHG zu erarbeiten.



Forschungsfragen
Wie verarbeiten „Aussteiger“ aus einer SHG diese Erfahrung? Unterscheiden sich „Dabeibleiber“ und „Aussteiger“ einer SHG bereits zu Beginn der Gruppe in ihren Bedürfnissen? Unterscheiden sich „Dabeibleiber“ und „Aussteiger“ in ihren therapeutischen Vorerfahrungen? Welche Faktoren begünstigen eine längerfristige und befriedigende Teilnahme an einer SHG? Welche Bedingungen wirken sich eher negativ aus?

Methoden
Qualitativer Forschungsansatz: Es wurden problemzentrierte Interviews geführt mit 22 Personen, davon 14 „Aussteiger“ und 8 „Dabeibleiber“. Vorstudie mit 6 Interviews.

Ergebnisse
Es konnten „Schnell-Aussteiger“ und „Verzögerte Aussteiger“ unterschieden werden. Einem großen Teil der „Aussteiger“ ging es nach dem Ausstieg schlechter als vorher. Allerdings scheinen sich die „Dabeibleiber“ mehr durch eine funktionierende Abwehr, als durch selbsthilfefördernde Fähigkeiten auszuzeichnen. Die „Verzögerten Aussteiger“ verkörpern am stärksten die selbshilfefördernden Eigenschaften, haben die höchsten Erwartungen an die SHG und leiden am meisten an den negativen Erfahrungen. Der Wunsch nach persönlichen Beziehungen war nicht förderlich für die Teilnahme an Gesprächs-SHG, sondern eher der Wunsch nach einer Arbeitsbeziehung. Eng verbunden mit einer erfolgreichen Teilnahme ist die vorherige Therapie- oder Gruppenerfahrung. Insgesamt haben Außenseiter wenig Chancen, sich langfristig in einer Gesprächs-SHG zu halten. Die Teilnehmenden sollten die soziale Fähigkeit haben, in der Gruppe über sich reden zu können und sie sollten dies auch wollen.

Schlussfolgerungen
Aus Sicht des Autors ist der Anteil der „Aussteiger“ mit negativen Folgen so hoch, daß eine unhinterfragte Verweisung von Interessenten an SHG vor einem professionellen Anspruch nicht gerechtfertigt werden kann. Die Studie gibt wichtige Denkanstöße für die Arbeit in Selbsthilfekontaktstellen und für alle, die Gesprächs-SHG weiterempfehlen. Handlungsempfehlungen können auf der Basis der Ergebnisse dieser Studie kaum gegeben werden. Sie stellen jedoch einen wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zu einer fundierten Erforschung des Problems der „Kontraindikation“ für Gesprächs-SHG dar.

Literatur
Vogel, R. (1990): Gesprächs-Selbsthilfegruppen. Interviews mit Aussteigern und Dabeigeblieben. Dissertation an der TU Berlin, Fachbereich Gesellschafts- und Planungswissenschaften. Berlin