Filmanalyse



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Kontext und Fragehorizont

Die Betrachtung eines einzelnen Films findet nie in einem kontextlosen Raum statt. Der wichtigste Schritt vor der Filmananlyse ist, sich diesen Kontext klarzumachen und ihn als Rahmen für die Filmanalyse zu verstehen und zu nutzen.

Vielleicht haben Sie den Film auf Empfehlung von Freunden oder einer Rezension im Kino gesehen. Vielleicht gehören Sie auch zu einer Gruppe von Filmfans, die sich regelmäßig Filme eines bestimmten Genres (z. B. Horrorfilme) gemeinsam zu Hause anschaut. Oder Sie haben einen Film im Zusammenhang eines Seminars an der Hochschule gesehen und sich entschlossen, sich im Seminarkontext intensiver mit dem Film zu beschäftigen.

Der Kontext, in dem Sie sich mit einem Film auseinandersetzen, stellt den Rahmen dar, um die Fragestellung, mit der Sie an einen Film gehen, einzugrenzen. Wir nennen diese Fokussierung "Fragehorizont". Im Fall des Kinobesuchs werden Sie den Film an den Erwartungen messen, die die Rezension vorher geweckt hat. Zusammen mit den Horrorfans werden Sie den Film auf seine stilistischen und genrespezifischen Merkmale hin diskutieren.

Bleiben wir beim letztgenannten Beispiel, dem Hochschulseminar. Das Seminar gibt durch sein Thema den Rahmen für Ihre Filmanalyse und Ihre Fragestellung vor. Nehmen wir zum Beispiel den Film "Full Metal Jacket" von Stanley Kubrick (Trailer in der IMDB). Man könnte diesen Film in drei verschiedenen Seminaren zeigen, z. B. mit den Themen "Gewaltdarstellung in Medien", "Bildungsprozesse im Film" oder auch "Die Entwicklung der Filme von Stanley Kubrick". In der Analyse werden Sie den Film ganz anders angehen, was mit dem Seminarthema zusammen hängt. Im ersten Fall suchen Sie gezielt der Darstellung von Gewalt suchen, sich also entweder auf die inhaltlichen Aspekte wie die menschenverachtende Ausbildung und ihre Darstellung oder auf die entsprechenden formalen Aspekte (Schnitttempo, Musik, Detailgenauigkeit) konzentrieren. Zum Vergleich werden Sie vielleicht andere gewaltdarstellende Filme wie "Der Soldat James Ryan" heranziehen.

Im zweiten Fall, in dem es im Seminar um "Bildung" geht, werden Sie sich vielleicht vorrangig mit der Entwicklung der Hauptfigur beschäftigen, also etwa der Frage, wie die Erfahrung des Krieges einen Menschen verändern. Vielleicht werden Sie auch hier andersgeartete Vergleichsbeispiele heranziehen, in denen es um Grenzerfahrungen und ihren Einfluss auf Bildungsprozesse geht (z. B. den Film 'Taxi Driver'). In jedem Fall beziehen Sie den Fragehorizont nicht aus dem Film selbst, sondern aus der Seminardiskussion, der Literatur oder ihrem sonstigen vorherigen Weltwissen. Sie gehen also schon mit einem Fragehorizont (nicht mit einer einzelnen Frage) an Ihren Film heran.

Die Entwicklung eines Fragehorizonts ist der erste Schritt zur Reduktion der Komplexität einer Filmanalyse. Sie nehmen gleichsam eine Lupe und entscheiden vorab, dass nur ganz bestimmte Fragen Sie an dem Film überhaupt interessieren.

Auf der nächsten (eingerückt dargestellten) Seite werde ich diesen Schritt ausführlich am Beispiel des Seminars 'Kindheitsbilder' zeigen.

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