Filmanalyse


2. Narration und Dramaturgie Teil 2

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„Drama", „Handlung", „Fabel" und „Plot" sind Begriffe, die auf die schon für die Bühne (den Film) zugeschnittene Formung einer Geschichte im Sinne bestimmter Wirkungen zielen. So gebraucht Aristoteles das Wort „Drama" (eigentlich zunächst nur Handlung ohne weitere Nebenbedeutung) im spezifischen Sinne eines schon für die Theaterwirkung künstlich zugerichteten Ausschnitts aus der jeweiligen Geschichte (des Ödipus, der Iphigenie etc.), einer quasi wie von selbst vor den Augen der Zuschauer abrollenden „Handlung". Eine solche „Handlung" (im spezifischen Sinn) wird in den deutschen Übersetzungen von Aristoteles' Poetik meist mit Fabel wiedergegeben (…) Fabel meint aber auch natürlich wie Plot etc. die jeweilige Handlung, wiedergegeben in einer formelhaft verkürzten Abstraktion (quasi als Inhalts- und Formangabe, die in drei, vier Sätzen gefasst werden kann).



Das wäre dann somit auch der nacherzählbare, tradierbare Kern der Handlung, in dem gewisse Elemente und ihre Abfolge festgelegt sind, wie etwa die Hauptfiguren und einige gravierende Züge des Konflikts: Iphigenie soll ihren eben auf der Insel Tauris als Eindringling aufgegriffenen Bruder Orest opfern; Ödipus muss, vom Orakel gezwungen, das Inzestverhältnis zu seiner Mutter Jokaste aufdecken usw.

Das englische Wort Plot (verwandt mit „Komplott" und gleichbedeutend mit „Intrige", ein Begriff, den z. B. Umberto Eco öfters gebraucht) meint den dramatischen Handlungskern und damit gleichzeitig die Wirkformel eines Stücks. Es ist nicht die ganze Geschichte (die Story), sondern das dramatische Resultat eines verdichteten, besonders präsentierten Teils der Geschichte. Unter diesem Aspekt ist „Plot" dem oben umschriebenen Begriff der „Fabel" verwandt. (vgl. Rabenalt 2004, S. 25.) David Bordwell gebraucht in Anlehnung an seine russischen Vorbilder, die Formalisten (Eichenbaum, Schklovski, vor allem Tynjanow und Tomaschewski etc.), das Wort „fabula" für einen bestimmten Aspekt der Story, nämlich für die chronologische Kette der Ereignisse in der Geschichte (der Story) (vgl. Bordwell 1985, S. 49), und für die spezielle Formel des Plots den Begriff „Sujet" (vgl. Bordwell 1985, S. 50), der aber in unserem und dem französischen Sprachgebrauch (aus dem er stammt) doppeldeutig ist, insofern „Sujet" auch „Vorwurf" usw. (also „Stoff" mit allen seinen ideenhaften und konkreten Aspekten) meinen kann. Um diese Doppeldeutigkeit auszuschalten, verwendet Bordwell meist die ans Russische angelehnte Schreibweise „sjuzet".

Im folgenden Text wird hierfür „Fabel" (im Lessing'schen Sinn) oder Plot gebraucht oder, um abstraktere Aspekte anzudeuten, „Handlung und Handlungsstruktur". Der Grund für die Tradierbarkeit von Stoffen, ihrer konkreten Ausformung in Geschichten und ihrer dramatischen Zuspitzung in bestimmten Fabeln oder Plots liegt, abgesehen von ihrer literarischen Geltung, in ihrer dramatischen und weltanschaulichen Valenz. Die dramatische Valenz ist u. a. begründet in der Ungewöhnlichkeit, ja Monströsität der Vorfälle (Vatermord, Muttermord, Brudermord). Derartige Vorfälle führen menschliche Handlungsmöglichkeiten an ihre Grenzen und geben Anlass zur Darstellung eines bewegten Geschehens. Die weltanschaulich-ideologischen Valenzen der Fabel sind begründet in den implizierten Normenkonflikten, wie etwa dem Gegensatz zwischen Gesetzen der Blutsverwandtschaft und denen des Staates, der i n den meisten antiken Dramen ausgetragen wird. Die Fabel ist determiniert durch die Grundsituation der Handlung, durch konkrete personelle, örtliche und historische Gegebenheiten. Determinanten sind u. a. die Figuren (Personen, die zugleich einen allgemein stellvertretenden Charakter haben: der König steht für die Staatsgewalt, die Schwester für die familiären Beziehungen usw.). Die Figuren und ihre Konstellation sind eingebettet in ein Problemgefälle (etwa zwischen den sich bekämpfenden gesellschaftlichen Gegensätzen). Die Gegensätze prallen in einem konkreten, personalisierten Konflikt aufeinander. (Kuchenbach, 2003, S. 159ff.)

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