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Glossar: Plot

Glossar - Filmanalyse

Achtung: der Begriff Plot wird in der Literatur unterschiedlich gebraucht!!!

Plot, wie ihn die meisten Autoren verstehen, meint den "Stoff" einer Geschichte, also die bloße Abfolge der wesentlichen Handlungselemente (sh. auch story und Narration.


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Andere Begriffe für den Plot sind "Fabel" oder "Handlung". Plot meint "die jeweilige Handlung, wiedergegeben in einer formelhaft verkürzten Abstraktion (quasi als Inhalts- und Formangabe, die in drei, vier Sätzen gefasst werden kann)" (Mikos).

Das englische Wort Plot (verwandt mit „Komplott" und gleichbedeutend mit „Intrige", ein Begriff, den z. B. Umberto Eco öfters gebraucht) meint den dramatischen Handlungskern und damit gleichzeitig die Wirkformel eines Stücks. Es ist nicht die ganze Geschichte (die Story), sondern das dramatische Resultat eines verdichteten, besonders präsentierten Teils der Geschichte. (...) David Bordwell gebraucht in Anlehnung an seine russischen Vorbilder, die Formalisten (Eichenbaum, Schklovski, vor allem Tynjanow und Tomaschewski etc.), das Wort „fabula" für einen bestimmten Aspekt der Story, nämlich für die chronologische Kette der Ereignisse in der Geschichte (der Story) (vgl. Bordwell 1985, S. 49), und für die spezielle Formel des Plots den Begriff „Sujet" (vgl. Bordwell 1985, S. 50), der aber in unserem und dem französischen Sprachgebrauch (aus dem er stammt) doppeldeutig ist, insofern „Sujet" auch „Vorwurf" usw. (also „Stoff" mit allen seinen ideenhaften und konkreten Aspekten) meinen kann. Um diese Doppeldeutigkeit auszuschalten, verwendet Bordwell meist die ans Russische angelehnte Schreibweise „sjuzet".

"Der Grund für die Tradierbarkeit von Stoffen, ihrer konkreten Ausformung in Geschichten und ihrer dramatischen Zuspitzung in bestimmten Fabeln oder Plots liegt, abgesehen von ihrer literarischen Geltung, in ihrer dramatischen und weltanschaulichen Valenz. Die dramatische Valenz ist u. a. begründet in der Ungewöhnlichkeit, ja Monströsität der Vorfälle (Vatermord, Muttermord, Brudermord). Derartige Vorfälle führen menschliche Handlungsmöglichkeiten an ihre Grenzen und geben Anlass zur Darstellung eines bewegten Geschehens. Die weltanschaulich-ideologischen Valenzen der Fabel sind begründet in den implizierten Normenkonflikten, wie etwa dem Gegensatz zwischen Gesetzen der Blutsverwandtschaft und denen des Staates, der i n den meisten antiken Dramen ausgetragen wird.

Die Fabel ist determiniert durch die Grundsituation der Handlung, durch konkrete personelle, örtliche und historische Gegebenheiten. Determinanten sind u. a. die Figuren (Personen, die zugleich einen allgemein stellvertretenden Charakter haben: der König steht für die Staatsgewalt, die Schwester für die familiären Beziehungen usw.). Die Figuren und ihre Konstellation sind eingebettet in ein Problemgefälle (etwa zwischen den sich bekämpfenden gesellschaftlichen Gegensätzen). Die Gegensätze prallen in einem konkreten, personalisierten Konflikt aufeinander. (Kuchenbach, 2003, S. 159ff.)

Bordwell und Thomson verwenden "Plot" völlig anders. Plot meint bei Ihnen alles, was tatsächlich gezeigt wird, im Gegensatz zur Story, die sich der Betrachter daraus konstruiert. Ein Beispiel: Jemand knüpft einen Knoten in ein Seil, hängt dieses Seil am Dachbalken auf, man sieht seie baumelnde Füße (das wäre der Plot). Die Story hingegen: Die Person begeht Selbstmord, indem sie sich erhängt. Interessant ist diese Unterscheidung, denn sie eröffnet uns den Zugang zu einer detaillierteren Analyse, insbesondere derjenigen Filme und Sequenzen, die mit dem Wissen und der Erwartung des Zuschauers spielen und den Zuschauer in die Irre führen, indem sie etwas suggerieren, was sie nicht zeigen, oder etwas zeigen, was gar nicht relevant ist oder erst später relevant wird.

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Zuletzt geändert am 09.06.2009 15:37 Uhr