Filmanalyse


Die Ironie des Rollenspiels: Johanson


Quelle:Memfis Film & Television

Die wichtigste und zugleich widersprüchlichste Erwachsenenfigur ist Johanson. Den Dorfbewohnern gegenüber steht er unter Druck, denn sie sind seine Kunden. Fehler, die ihm unterlaufen, sind ihm sehr peinlich, was schambesetzte und selbstunsichere Aspekte seiner Person offenbart. Er sucht den Ausgleich, die Harmonie und das Wohlwollen mit allen. Die niemals ausgesprochenen Vorgaben des Jugendamts sucht er in vorauseilendem Gehorsam einzuhalten, denn vom Wohlwollen hängt es ab, ob er weiterhin Ferienkinder aufnehmen darf. So sucht er das auszufüllen, was er für eine Rollenerwartung an einen guten Erzieher hält: Er meint, streng sein und diese Strenge auch präsentieren zu müssen.

Viele Szenen zeigen jedoch, dass er diese Strenge nicht mit wirklichem Engagement und seiner Persönlichkeit voll ausfüllt, sondern dass es lediglich die Maske der gesellschaftlichen Erwartung ist. In Wirklichkeit ist er nicht streng, sonder spielt Strenge. Sein Versuch, die Kinder für das verbotene Seifenkistenbauen zur Rede zu stellen, misslingt. Spürbar wird, dass er Verständnis dafür hat, ein „weiches Herz“, das er meint, nicht zeigen zu dürfen.

Gelegentlich bricht damit seine Rolle, die er so gern perfekt verkörpern möchte, fast slapstickhaft zusammen. Die Kinder, insbesondere Annika, tragen maßgeblich dazu bei, seine Sehnsüchte und emotional-sozialen Wünsche nach Nähe hinter der Fassade zu offenbaren und entlarven seine Selbstpräsentation als das, was sie sind: Makulatur. Hinter der aufgesetzten Fassade schält sich im Lauf der Handlung ein chaotischer Mensch heraus, der durchaus viel Sympathie für die Kinder und ihre Wünsche hat. Seine Strafpredigt nach der Gewitternacht wirkt halbherzig.

Mit verqueren Argumenten versucht er den Kindern darzulegen, warum es schädlich ist zusammen zu schlafen. Deutlich werden dabei abstruse und unbegründete Vorstellungen, dass Nähe generell schädlich ist, weil man dabei eine Beziehung eingeht, die irgendwann zu einer Enttäuschung führen kann. Auch Anspielungen auf die Angst vor Sexualität, die eine Folge dieser Nähe sein könnte, lassen sich phantasieren. Doch durchsichtig wird, dass er selbst sich nichts sehnlicher als diese Nähe wünscht, und deshalb - ebenso wie Frl. Swanstöm - schnell die Gelegenheit nutzt, Kontakt zu knüpfen.

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