Identität


Historie von Theorie.Beck

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Die Risikogesellschaft

Ulrich Beck? beschäftigt sich in seinem Buch "Risikogesellschaft - auf dem Weg in eine andere Moderne" (1. Auflage 1986) nicht explizit mit Identität oder Persönlichkeitsentwicklung, sondern er zeichnet den Weg der Individualisierung unserer Gesellschaften nach, analysiert Muster in den Umbrüchen und den Biographien der Menschen, entdeckt neue Standardisierungen und beschreibt mögliche Auswirkungen dieses neuen Verhältnisses von Mensch und Gesellschaft auf das subjektive Bewusstsein der Einzelnen z.B. als Mann/Frau oder Beschäftigter/Arbeitsloser. Im letzten Teil des Buches widmet er sich der Rolle, die Politik und Wissenschaft in dieser Zeit der Veränderung übernehmen könnten oder sollten. Beck hält die Vorstellung, Individualisierung als Individuationsprozess, als Emanzipationsvorgang zu denken, für zu kurz gegriffen. Für ihn ist Individualisierung:

"... nicht mehr im Rahmen der bisherigen Begrifflichkeiten immanent als eine Veränderung von Bewusstsein und Lage der Menschen zu begreifen, sondern...muss als Anfang eines neuen Modus der Vergesellschaftung gedacht werden, als eine Art "Gestaltwandel" oder "kategorischer Wandel" im Verhältnis von Individuum und Gesellschaft." (Beck: 1986, Seite 205)

Als eigentlichen, ursprünglichen Grund für die zunehmende Individualisierung der modernen Industriegesellschaften hat Beck drei Dimensionen von Individualisierung postuliert, von denen er glaubt, dass sie weitreichende Auswirkungen auf die Gestalt der zukünftigen Gesellschaft haben wird:

"Die Freisetzungsdimension [beschreibt] die Herauslösung aus historisch vorgegebene Sozialformen und -bindungen im Sinne traditioneller Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge.

Die Entzauberungsdimension, also den Verlust von traditionellen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen und

Die Kontroll- und Reintegrationsdimension, die sich auf eine neue Art der Einbindung bezieht." (Beck:1986, Seite 206ff) Diese neue Art der Einbindung bedeutet für Beck u.a. die neue soziale Kontrolle: Will/muss ich als Individuum dennoch eingebunden sein in zwar rudimentäre aber vorhandene Sicherungs- und Unterstützungsnetze, so muss ich private Informationen in einem Ausmaß an öffentliche und private Institutionen preisgeben, wie dies vormals nicht denkbar war. Auch die vermeintliche Freiheit individueller Lebensgestaltung und Chancen ist häufig nur Illusion, weil an die Stelle der alten "Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge" lediglich neue getreten sind

z.B. die freie Wahl des Berufseinstiegs- oder der Berufswahl ist für die meisten Menschen leeres Gerede, wird doch gesellschaftlich nachdrücklich die Forderung erhoben, sich an den Markt anzupassen. Bildungsabschlüsse geraten nicht zu Türöffnern, sondern zu Ausschlusskriterien, wenn es nicht die "richtigen" sind (z.B. Hauptschulabschluss). (vgl. Beck: 1986, S. 242ff)

Einen vertiefenden Text finden Sie unter beck-risikogesellschaft.pdf? (nur für autorisierte Teilnehmer/innen)

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