Identität


Historie von Theorie.Krappmann

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!!Balancierende Identität
In seiner Dissertation "Soziologische Dimension der Identität" entwickelt [[Identitätstheorien/Lothar Krappmann]] den Begriff der balancierenden Identität. Er greift die Ausführungen von Goffmann auf, die sich auf Randgruppen wie Zuchthäusler, Prostituierte, Drogenabhängige etc. beziehen. Goffman meint, diese Gruppen haben es besonders schwer auf der Bühne des Lebens, weil ihnen Eigenschaften zugeschrieben werden und Rollenerwartungen angetragen, die es schwer machen, eine eigene Identität zu entwickeln.

Krappmann wählt dieses Klientel als Beispiel, weil er verdeutlichen will, dass manche Menschen in der Interaktion größere Probleme als andere haben. Die Erwartungen an ihre Rollen sind mit negativen Zuschreibungen bestückt, so dass die Gesellschaft wenig bereitwillig mit solchen Menschen interagiert. Geht man davon aus, dass sich persönliche Identität auf die Einzigartigkeit eines Individuums bezieht, so haben die o.a. Gruppen gerade damit ein Problem. Natürlich besteht ihr Einzigartigkeit nicht nur darin Prostituierte oder Gefängnisinsasse zu sein, aber die Gesellschaft behandelt sie so. Krappmann schreibt, das eine Möglichkeit dieser Situation zu begegnen, die

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'''balancierende Identität''' sei. Um nicht vollständig von anderen abgelehnt zu werden, weil man sich z.B. weigert die Identitätszuschreibungen  vollständig zu übernehmen, akzeptieren die Menschen eine "Phantomakzeptanz".
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"Was erwartet wird, ist also ein Balanceakt: eine Identität aufzubauen, die scheinbar den sozialen Erwartungen voll entspricht, aber in dem Bewusstsein, in Wahrheit die Erwartungen doch nicht erfüllen zu können." (Krappmann: 1969, S. 72)
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Diese balancierende Identität ist ein Verhalten, dass auch scheinbar ganz "normale" Menschen in bestimmten Lebenszusammenhängen praktizieren z.B. die strikte Trennung von Berufs- und Privatleben. Diese Vorgehensweise wird gesellschaftlich akzeptiert, weil sie die Interaktion erleichtert:
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"Dieser "als-ob-Charakter" ...wird von allen an der Interaktion Beteiligten respektiert, denn er dient dem Individuum und seinen Partnern. So sehr die Andersartigkeit (Einzigartigkeit) des anderen die Voraussetzung für seine sinnvolle Interaktion ist, so wenig Nutzen haben die Interaktionspartner von einer Einzigartigkeit ihres Gegenüber." (Krappmann: 1969, S. 80)
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Krappmann hat drei identitätsfördernde Fähigkeiten eingeführt, die seiner Meinung nach wichtig sind, für die Entwicklung einer Ich-Identität.

'''Rollendistanz''': Um überhaupt eine Identität entwickeln zu können, muss das Individuum in der Lage sein, bestimmte Erwartungen und Verhaltsmuster als Rollen zu erkennen. Erst im Unterschied zu diesen Rollen kann dann eine Ich-Identiät entwickelt werden.

'''Empathie als kognitive Fähigkeit''': Das beinhaltet die Fähigkeit, die Erwartungen der Interaktionspartner zu übernehmen. Gemeint ist hier nicht Einfühlungsvermögen in die Lage des anderen, sondern kognitive Erkenntnis.

'''Ambiguitätstoleranz''': In der Interaktion mit anderen Individuen müssen Menschen oft mit Widersprüchen und divergierenden Erwartungen fertigwerden. Die Fähigkeit dies zu verkraften und in die eigene Identität zu integrieren nennt man Ambiguitätstoleranz.
(Krappmann: 1969, S. 132-155)

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''Einen vertiefenden Text finden Sie unter [[Literatur/Identität|krappmann-soziologische dimensionen der identität.pdf ]] (nur für autorisierte Teilnehmer/innen''
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