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Qualitätskriterien sozialwissenschaftlicher Interviews

Sozialwissenschaftliche Interviews haben mit journalistischen Interviews viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber in der grundlegenden Perspektive. Für Sozialwissenschaftler ist das Interview eine Methode, um Daten zu erheben. Wer in welcher Form interviewt wird, richtet sich nach den vorab erarbeiteten Forschungsfragen. Je nach Fragestellung und methodischem Vorgehen gibt es unterschiedliche Strategien, einen Interviewleitfaden auszuarbeiten.

Allen qualitativen sozialwissenschaftlichen Vorgehensweisen gemeinsam sind bestimmte Qualitätsanforderungen, um sicherzustellen, dass es sich um seriöse wissenschaftliche Forschung handelt. Diese Qualitätsanforderungen lassen sich in vier Prinzipien zusammenfassen:

  • Offenheit

Das Prinzip der Offenheit betzieht sich auf den Umgang mit neuen und unerwarteten Informationen. Es fordert vom Forschenden, beobachtete Tatbestände nicht vorschnell unter bekannte Kategorien zu subsummieren, was im Extremfall bedeutet, sich von dem erhobenen Aussagen leiten zu lassen und nicht von den eigenen Vorannahmen und Erwartungen.

  • theoriegeleitetes Vorgehen:

Das Prinzip der theoriegeleiteten Vorgehens betont die Notwendigkeit, an vorhandenes theoretisches Wissen über den Untersuchungsgegenstand anzuschließen.

  • regelgeleitetes Vorgehen:

Das Prinzip des regelgeleiteten Vorgehens fordert vom Forscher, alle Schritte der Erkenntnisgewinnung systematisch und nachvollziehbar darzulegen. Andere Wissenschaftler sollen nachvollziehen können, wie die Leitfrage, die Auswahl der Interviewpartner und die Auswertung der Interviews vollzogen wurde.

  • Verstehen als Basishandlung sozialwissenschaftlicher Forschung:

"Verstehen" als Basishandlung sozialwissenschaftlicher Forschung sieht das Verstehen als die Leistung des Forschers, soziale Tatsachen aus den subjektiven Sichtweisen der Betroffenen heraus (und nicht etwa aus der eigenen Perspektive des Forschers) zu rekonstruieren.


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Diese vier Prinzipien haben auch direkte Auswirkungen auf die Vorbereitung und die Durchführung von Interviews, denn Interviews als Methode der Datenerhebung fügen sich als ein Schritt in den gesamten Prozess der sozialwissenchaftlichen Forschung und Erkenntnisgewinnung. Flick (2006, S. 11) führt in Anlehnugn an Merton & Kendall (1979, S . 178) dazu aus:

"Leitfadengestaltung und Interviewdurchführung sollen dabei vier Kriterien der Interviewdurchführung genügen, zu deren Erfüllung die verschiedenen Bestandteile der Methode dienen :

  • Nichtbeeinflussung der Interviewpartner,
  • Spezifität der Sichtweise und Situationsdefinition aus deren Sicht,
  • Erfassung eines breiten Spektrums der Bedeutungen des Stimulus sowie
  • Tiefgründigkeit und personaler Bezugsrahmen aufseiten des Interviewten."

Weitere Hinweise finden Sie in: Gläser,J./Laudel,G. (2006). Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse. 2. Auflage. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften. Seite 27-30 und in: Flick,U. (2006). Qualitative Sozialforschung. 4. Auflage. Reinbeck: Rowohlt. Seite 118-123

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