Maennliche Sozialisation


Aggression und Gewalt

Die Themen "Aggression" und "Gewalt" werden fast immer mit Männern, mit traditionellen oder fehlgeleiteten Männlichkeitsbildern in Verbindung gebracht und Männern als eine quasi biologische Ausstattung zugeschrieben. Eine Auseinandersetzung mit Aggression und Gewalt im Kontext von Geschlechterforschung ist extrem schwierig.

Das hat mit einer Reihe von schwierigen Sachverhalten und Zusammenhängen zu tun:

  1. Vorurteile und Unwissen: Gewalt in Partnerschaften wird oft pauschal Männern zugeschrieben. In der internationalen Forschung ist es inzwischen unstrittig, dass Gewalt in Partnerschaften zur Hälfte weiblich ist. In Deutschland gibt es so gut wie keine Forschung dazu.
  2. Interessen: Der Gewaltvorwurf wiegt schwer und kann einseitig auch zur Durchsetzung von Interessen in Partnerschaften und von feministischer Seite instrumentalisiert werden.
  3. Emotionen: Die Themen sind fur beide Geschlechter intensiv mit Angst und anderen tiefen Gefühlen besetzt.

Gewalt in Partnerschaften

Hierzu liefert der Podcast von HR2 Der Tag: Sie küssen und sie schlagen sich - Gewalt in Partnerschaften (29.7.09) eine Fülle von Materialien. http://mp3.podcast.hr-online.de/mp3/podcast/derTag/derTag_20090729.mp3

Das BMFSFJ hat eine Pilotstudie (!!!) "Gewalt gegen Männer" in Auftrag gegeben: Ludger Jungnitz, Hans-Joachim Lenz, Ralf Puchert, Henry Puhe, Willi Walter (Hrsg.): Gewalt gegen Männer. Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland. Verlag Barbara Budrich 2007.

Die Ergebnisse der Studie können heruntergeladen werden.

http://bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationsliste,did=20526.html

Mythos: Friedfertige Frauen und wütende Männer?

Das gleichnamige Buch von Micus stellt aus mehreren Perspektiven wissenschaftliche Belege und Theorien zu dem Thema zusammen.

Mit einer Fülle empirischer Belege differenziert die Autorin, wie der Titel schon sagt, den Mythos von der männlichen Gewalttätigkeit. Sie zeigt vielmehr, dass es bei Frauen ebensoviel Gewalt gibt, nur in versteckteren Formen. Der Mythos von der Friedfertigkeit der Frauen wird dekonstruiert.

Einige Kapitel sind zugleich als Einführung in psychoanalytisches Gedankengut geeignet. Es ist im Vergleich mit psychoanalytischer Originalliteratur einfach geschrieben und führt z. B. in die sehr gute und wichtige Theorie der Entstehung von Kreativität von Winnicott ein.)

Micus, C. (2002). Friedfertige Frauen und wütende Männer? Theorien und Ergebnisse zum Umgang der Geschlechter mit Aggression. Weinheim [u.a.]: Juventa.

Besonders empfehlenswert zum Einstieg:

Kapitel 4: Erklärungen eines geschlechtsspezifischen Umgangs mit Aggressionen (PDF)

Kapitel 5: Weibliche Friedfertigkeit - ein Mythos? (PDF)

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