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Zusammenfassung der Internetstudie „Konflikte im Netz“ Durchgeführt von dem JFF (Institut für Medienpädagogik)

Das Ziel der Studie bestand darin, das Handeln von Jugendlichen in Konflikten, welche ihre Austragung in Sozialen Netzwerken finden, zu untersuchen und somit Ansatzpunkte für die pädagogische Arbeit identifizieren zu können um daraus lösungsorientierte Handlungsformen zu erzielen. Die befragten Jugendlichen, mit denen die Studie durchgeführt wurde, schilderten eine Bandbreite der Konfliktformen, welche sich demnach von „Spaß – Streit“, sowie Meinungsverschiedenheiten, bis hin zu Mobbing einordnen lassen. Die Grenzen zu den jeweiligen benannten Konfliktbereich sind jedoch fließend und werden, je nach Empfindung des jeweiligen Individuums selbst gezogen.

Es folgen nun die Bezeichnungen des Jeweiligen Konfliktspektrums aus der Sicht der Jugendlichen:

„Spaß – Streit“: Hierbei handelt es sich um „scheinbare“ Auseinandersetzungen, welche die Jugendlichen als eine alltägliche Begleiterscheinung beschrieben. Ob es sich bei den „Schein“ – Auseinandersetzungen um Spaß oder Ernst handelt, können die Jugendlichen der Studie nach in der Regel gut beurteilen. Problematisch wird die Situation, wenn Äußerungen spaßhaft gemeint sein sollen, der Jugendlich diese jedoch als beleidigend und ernsthaft empfindet. Dies kann Anlass eines ernsthaften Konfliktes sein. Aus der Sicht der Jugendlichen bestimmen zwei entscheidende Faktoren darüber, wann sich ein „Spaß – Streit“ zu einer ernsten Eskalation entwickelt.

Zum Einem schilderten die Jugendlichen, dass das Enthemmtheitsgefühl Online stärker sei als Offline. Fehleinschätzungen und Grenzüberschreitungen können daraus die Folge sein. Des Weiteren kann das eigene Empfinden der Jugendlichen ein weiterer Faktor sein, denn was der eine als Spaß versteht, kann vom Anderen als Ernst verstanden werden.

Zum Anderen erklärten die Jugendlichen verstärkt, dass ein weiterer Aspekt der erweiterte Freundeskreis sei. So treten Missverständnisse und daraus resultierende Eskalationen häufig unter den „Freundesfreunden“ auf.

Meinungsverschiedenheiten: Ebenso alltäglich wie der „Spaß – Streit“ treten auch die Meinungsverschiedenheiten auf, welche von inhaltlichen Differenzen geprägt sind. Eine Meinungsverschiedenheit heißt aber nicht, dass diese nicht auch spaßlich geprägt sein kann. Einige Jugendliche zeigten sich der Studie nach geradezu diskussionsfreudig.

Streit: Aus sicht der befragten Jugendlichen zielt ein Streit nicht auf Meinungsverschiedenheiten, sondern vielmehr auf die Beziehungsebene von Konflikten. Des Weiteren gaben die Jugendlichen an, dass er von emotionalen, sowie von ernsthaften Zügen geprägt sei. Grund für Streitigkeiten sei oft der Grund, dass „Spaß – Streitigkeiten“ ernsthaft interpretiert werden und einem persönlichen Angriff gleichkommen. Ein weitere Aspekt sei es, dass Aussagen falsch an Dritte weitergegeben werden, welches ebenfalls zu einer Fehlinterpretation führt und somit auch zum Streit.

Mobbing: In diesem Fall Cybermobbing wird von den Jugendlichen als ein Sammelbegriff für aggressives Konflikthandeln verwendet, welches nach dem eigenen moralischen Verständnissen zu weit geht. Den Jugendlichen war Mobbing bereits bekannt. Sei es aus dem nahen Umfeld, also Mitschüler oder aus der medialen Berichterstattung. Oftmals wird Mobbing von den Jugendlichen mit Folgen wie Schulverweis oder einem Amoklauf assoziiert, in Verbindung mit systemischen Aggressionen.

Konflikte, welche bei den Jugendlichen Alltagspräsents haben, werden auf verschiedene Art und Weise behandelt. So versuchen die Jugendlichen Konflikte möglichst schnell zu lösen, um eine Eskalation zu verhindern. Des Weiteren wird versucht Konflikte mit Konfliktparteien mit Hilfe einer art „Schein“ – Lösung zu bewältigen. Die gängigste Lösungsstrategie die angewandt wird um Konflikte zu lösen ist aber das Ignorieren. Dies kann in Form des „Nicht – Handelns“ auftreten, das heißt, dass die Jugendlichen die Konflikte bewusst unterbinden und sich auf kein konfliktprovozierendes Handeln einlassen. Das Ignorieren kann aber auch in Form des Nichtansprechens stattfinden, dies bedeutet, dass Konflikte unterschwellig vorhanden sind, aber nicht den Raum bekommen um ausgetragen zu werden.

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt gegen über der Konfliktbewältigung ist die Tatsache, dass die Jugendlichen auch vielfältige Möglichkeiten kennen, um andere Jugendliche bloßzustellen, auszugrenzen oder zu provozieren, um somit einen Konflikt zur Eskalation zu verhelfen.

Von den nun schon genannten Erkenntnissen lässt sich sehr gut verdeutlichen, wie komplex die Aufgabe erscheint, vor der die Jugendlichen gestellt sind, um Konflikte zu verhandeln, sowie die sozialen Beziehungen zu gestallten.

Das Ignorieren des Anderen, sowie das Ausgrenzen und das Schlechtreden sind bei den Jugendlichen alltägliche Erscheinungsformen, um Konflikte auszutragen. Problematisch wird es, wenn man bei diesen Konfliktaustragungsmethoden die mediale Reichweite mit in Betracht zieht. Den der „lange Arm“ der Technik wird seitens der Jugendlichen oft unterschätzt. Schwierig ist dabei, gerade auf dem medialen weg, die Grenze zwischen Spaß und Ernst zu erkennen. Hinzu kommt, je nach Konflikt, welcher auf mediale Weise ausgetragen wird, die subjektive Einschätzung des jeweils Anderen.

Ob und wie konflikteskallierendes Handeln auftritt, hängt von dem Jugendlichen und dessen individuellen Wertvorstellungen, sowie die von seinem sozialen Umfeld anerkannte Verhaltensweise ab. Dabei lässt sich ein Zusammenhang zwischen den lebensweltlichen Bedingungen des Aufwachsens, sowie bestimmten bevorzugten Handlungsweisen, welche im vertrauten sozialen Umfeld etabliert sind, erkennen. Des Weiteren ist aber auch der Bildungshintergrund prägend für bestimmtes bevorzugtes Verhalten.

Ein weitere Aspekt im Bereich von Konfliktlösungen ist das Hinzuziehen von Dritten. Denn Dritte verändern die Konfliktkonstellation maßgeblich, da Jene jederzeit von der passiven in die aktive Rolle wechseln können. Weitestgehend üben Dritte in Konfliktsituationen einen positiven Einfluss aus, welcher eine Konfliktlösung ermöglicht. Dennoch können Dritte auch eine ambivalente Position einnehmen, welche dann zur Eskalation von Konflikten beiträgt.

Die Jugendlichen wurden befragt, wann sie sich als Dritte in Konfliktsituationen verhalten würden:

Die Jugendlichen gaben an, dass man mit dem Einmischen die Konfliktparteien nicht bevormunden sollte, da diese ihre Probleme mit eigenen Mitteln lösen sollen. Des Weiteren wurde angegeben, dass man sich bei einem „Spaß – Streit“ nicht einmischen sollte, da dies nur dazu führe, dass ein solcher Streit fehlinterpretiert werden würde und somit zum Verlust des Ansehens in der Peergroup führen könnte. Eine weitere Regel beim Einmischen eines Dritten sei es, dass nur Freunde oder Freundinnen die Berechtigung hätten, sich in Streitigkeiten einzubringen. Das Einmischen von Erwachsenen, schulischen Streitschlichtern oder Fremden wird weitestgehend abgelehnt, da die unterstützte Person als schwach ausgewiesen werden könnte oder die ungewollte Unterstützung als Peinlichkeit empfunden werden kann. Von eineigen befragten Jugendlichen wurde stark betont, dass das Eingreifen von Dritten in Konfliktsituationen immer auch Risiken für das eigene Ansehen, sowie das Ansehen der Peergroup birgen könnte.

Ein Punkt der von Jugendlichen ebenfalls als skeptisch angesehen wird, ist das Teilnahmen an Workshops, welche im Rahmen der Schule angeboten werden. Ein wesentlicher Grund zu dieser Haltung aus Sicht der Jugendlichen ist, dass die Unterstützung durch Erwachsene geleistet wird, sowie, auch der Workshop von Erwachsenen geleitet wird.

Eine weitere Möglichkeit, Informationsseiten im Internet zu nutzen, wird ebenfalls von den Jugendlichen negativ betrachtet. Grund für diese Meinungsposition ist oft die Tatsache, dass Jugendliche keine genaue Vorstellung von Beratungs – und Informationsseiten haben. Den meisten Jugendlichen ist daher nicht bekannt, wo oder bei welchen Anlaufstellen sie im Internet Hilfe bekommen könnte. Ein weitere Grund seitens der Jugendlichen zu dieser Annahme ist, dass diese der Auffassung sind, dass dort nur Standartprobleme behandelt würden, welche nicht auf deren individuellen Konfliktbild passen.

Eine Methode, welche von den Jugendlichen aber angenommen wird um Konflikte beizulegen, ist die Meldefunktion bei den jeweiligen Online – Communitys. Der Anbieter eines Kommunikationsportals kann so auf unangemessene Inhalte seitens der Mitgliedern hingewiesen werden. Dennoch gibt es seitens der Jugendlichen trotzdem Zweifel, ob diese Funktion bei einer konkreten Konfliktsituation wirklich hilfreich wäre.

Alexander Modl

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