Soziale Arbeit im Internet


Pflegende Angehörige

Ca. 60% der 1,2 Mio. Demenzkranken in Deutschland von Angehörigen gepflegt. Die Pflege ist sehr zeitintensiv, beinhaltet sie doch nicht nur die körperliche Pflege, sondern auch emotionale Unterstützung. Erleben die Demenzkranken im ersten Stadium ihre Krankheit noch bewusst, so gilt es sie zu trösten und zu beruhigen. Unterstützung im Haushalt, medizinische Versorgung und organisatorische Aufgaben wie das Stellen von Anträgen und Behördengänge gehören ebenso zu diesem full-time-job. Die Wohnung des Erkrankten muss behindertengerecht hergerichtet und gegebenenfalls mit Orientierungshilfen ausgestattet werden. Unverzichtbar ist zudem, den Tag zu strukturieren, um dem Erkrankten zeitliche Orientierung zu geben.

Das alles stellt für pflegende Angehörige eine enorme Belastung dar, zumal in 70% aller Fälle nur eine Person die Pflege und Betreuung übernimmt. Problematisch ist sicher auch, dass Angehörige bisherige Rollen aufgeben müssen und in eine neue Rolle hineinwechseln. Kinder werden automatisch zu Pflegern und Betreuern.

Häufig bringt die Pflege eines Angehörigen auch Konflikte in der eigenen Familie mit sich. Die zeitintensive Betreuung lässt mit Verlauf der Erkrankung immer weniger Freiräume für das eigene Umfeld. Freundschaften gehen unter Umständen auseinander, weil sie nicht mehr gepflegt werden können. So isoliert sich der pflegende Angehörige immer mehr. Häufig muss auch der Beruf aufgegeben werden, um rund um die Uhr zur Verfügung stehen zu können.

Auch die Entfremdung des eigenen Angehörigen belastet. Wird das eigene Kind nicht mehr erkannt, führt dies häufig zu Enttäuschung und Traurigkeit.

Die nächtliche Unruhe des Demenzkranken stört zudem den eigenen Tag-Nacht-Rhythmus des Angehörigen.

Trotz dieser enormen Belastungen nehmen nur 13% der Angehörigen professionelle Hilfe an. Vielfach sind Beratungsstellen nicht bekannt, die über die Erkrankung, die Pflege, Betreuung und alternative Unterbringung informieren. Dabei beraten die regionalen Alzheimer Gesellschaften sehr umfassend. Sie bieten z.B. pflegenden Angehörigen den Austausch mit anderen an, die in einer gleichen Situation sind. Das Sprechen über Gemeinsamkeiten bedeutet häufig schon eine sehr große Entlastung. Auch lernen die Angehörigen hier die krankheitsbedingten Verhaltensweisen als Symptome der Krankheit zu verstehen.

Es gibt auch Angebote, bei denen sich pflegende Angehörige mit den Erkrankten gemeinsam treffen. Dabei kann es um gemeinsame Gespräche gehen, die die Erinnerung der Betroffenen anregen oder aber um gemeinsame Unternehmungen.

Viele Einrichtungen bieten eine dementengerechte Tagespflege an. Die Angehörigen bringen die Demenzkranken am Morgen und holen sie am Abend wieder ab. Professionelle Helfer und Ehrenamtliche strukturieren den Tag.

Entlastung erhalten Angehörige außerdem durch ambulante Dienste. Diese nehmen ihnen die schwerste körperliche Anstrengung ab, das Waschen und Anziehen der Betroffenen. Wichtig wäre, dass möglichst immer die gleichen Pflegekräfte kommen, damit sich die Demenzkranken an eine Bezugsperson gewöhnen können.

Damit Angehörige entspannen und Energie tanken können, gibt es als Alternative auch die Kurzzeitpflege. Bis zu vier Wochen übernehmen die Pflegekassen die Kosten für die Unterbringung in einer Einrichtung. Hieraus kann sich eine Langzeitpflege und somit Aufnahme in einem Pflegeheim ergeben. Gerade bei zunehmender Pflegebedürftigkeit des Erkrankten sollten Angehörige an dieser Form der Betreuung denken. Heute gibt es in allen Bundesländern Einrichtungen für dementengerechtes Wohnen bzw. spezielle Wohnbereiche für dementiell erkrankte Menschen, in denen eine sehr intensive Betreuung und Anregung gewährleistet ist.

Bearbeiten · Historie · Hochladen · Aktuelle Änderungen · Druckansicht · Intern · Zuletzt geändert am 20.10.2008 22:33 Uhr