Videopraxis


Einstellungsgrößen

Die Einstellungsgröße ist eine Angabe über den im Bild gezeigten Ausschnitt der aufzunehmenden Szene. Einstellungsgrößen sind keine exakt festgelegten Angaben: Es wird auf das Hauptmotiv Bezug genommen und nicht bestimmte Brennweiten oder Motivabstände vorgegeben. Zumeist ist die Größe eines Menschen die Bezugsgröße, dann zeigt eine Totale eben den gesamten Menschen (=total) mit etwas Umgebung. Eine Totaleinstellung für eine Ameise oder ein Hochhaus dagegen benötigt ganz andere Einstellungen für die Brennweite bzw. den Abstand zum Motiv. Innerhalb des Aufnahmeteams sorgen die folgenden Bezeichnungen der Einstellungsgrößen für eine leichtere Verständigung.

Einstellungsgrößen bestimmen die soziale Distanz und das Ausmaß an emotionaler Anteilnahme. Sie erfüllen im Film unterschiedliche, grundlegende Aufgaben und sind ein wichtiges Mittel des bildlichen / filmischen Erzählens.

Es gibt verschiedene Bezeichnungen und regionale Unterschiede (USA / Europa) in der Definition von Einstellungsgrößen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Bildinhalt um den fokussierten Hauptinhalt herum sichtbar ist, desto totaler ist die Einstellung. Somit lassen sich zwei Hauptgruppen bilden:

  • Totale Einstellungen (engl. long shots)
  • Nahe Einstellungen (engl. close-ups)

Während einer Aufnahme lässt sich die Einstellungsgröße ändern durch Variation der Brennweite (Zoom) oder des Abstandes zum Motiv (Kamerafahrt). Eine Kamerafahrt entspricht dabei der natürlichen Sehweise.


Übersicht über verschiedene Einstellungsgrößen

Attach:Einstellungsgröße_Weite_Totale.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild01 Weite Totale (WT)
(engl. extreme long shot, ELS), auch Supertotale oder Panorama.

Hier ist die Landschaft der Bildinhalt.

Diese Einstellungsgröße wird oft aus einer erhöhten Position (Vogelperspektive) gefilmt, damit sich der Zuschauer einen Überblick über den Handlungsort verschaffen kann und eignet sich daher als Ersteinstellung einer Sequenz (Establishing Shot).

Attach:Einstellungsgröße_Totale.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild02 Totale (T)
(engl. long shot, LS, auch wide shot)

zeigt den Handlungsort und führt ins Handlungsgeschehen ein. Eine spätere Einordnung kleinerer Bildausschnitte wird möglich. Die Totale steht oft zu Beginn eines Films oder einer Sequenz (Establishing Shot); sie dauert meist länger als durchschnittliche Einstellungen, weil der Zuschauer mehr Zeit für die Bildinformation benötigt.
Attach:Einstellungsgröße_Halbtotale.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild03 Halbtotale (HT)
(engl. medium long shot, MLS, auch figure shot oder complete view)

charakterisiert und differenziert Bildinhalte (kleineres Bildumfeld um die Filmfigur); sie hebt einen Gegenstand oder eine Personengruppe aus der Beliebigkeit heraus und setzt ihn in Verbindung zu seiner näheren Umgebung. Figuren werden von Kopf bis Fuß gezeigt. Aktionen können beobachtet werden. Die Gestik / Körpersprache gewinnt an Bedeutung.



Der Full shot als besondere Form der Halbtotale zeigt nur die Person(en) und wenig bis gar nichts von deren Umgebung.

Attach:Einstellungsgröße_Halbnah.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild04 Halbnah (HN)
(engl. medium close up, MCU)

bildet Personen mit etwa zwei Drittel ihrer Gesamthöhe ab (Kopf bis Hüfte); von der Umwelt ist nur noch relativ wenig zu sehen. Im Deutschen auch je nach Anzahl der beteiligten Personen als halbnaher Einer, Zweier oder Dreier usf. bezeichnet. Halbnahe und nahe Einstellungen entsprechen der natürlichen Sehsituation und werden daher oft in Dialogszenen verwendet.

Amerikanisch (A)
(engl. medium shot, MS, American shot, knee shot oder mid shot)

zeigt die Figuren vom Kopf bis kurz über dem Knie - so dass die Waffen der Cowboys in den amerikanischen Westernfilmen sichtbar sind.
Attach:Einstellungsgröße_Nah.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild05 Nah (N)
(engl. head and shoulder close-up bzw. nur shoulder close-up)

zeigt Personen von Kopf bis Oberkörpermitte (Brustbild) und erfasst so die Mimik und Gestik der Akteure, daher auch häufige Verwendung in Gesprächszenen.
Dient ebenfalls dazu, Formen von Gegenständen deutlich zu zeigen.

Im deutschen auch als nahe Einer oder Zweier bezeichnet, je nach Personenzahl.
Attach:Einstellungsgröße_Groß.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild06 Großaufnahme (G)
(engl. close-up, CU)

zeigt nur noch Kopf und ggf. ein Stück der Schultern der Figur. Teile der Figur können abgeschnitten sein (z.B. Hüte). Mimik und dadurch gezeigt Emotionen stehen klar im Vordergrund. Entspricht einer Unterschreitung der normalen Gesprächsdistanz unter natürlichen Sehbedingungen.

Eine Variante ist z.B. die Großaufnahme der Hände um deren Handlungen hervorzuheben.
Attach:Einstellungsgröße_Detail.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild07
Attach:Einstellungsgröße_Detail_Italienisch.jpg Δ|Quelle:Wikimedia Commons - Details:Bild08
Detail, Ganz Groß (GG)
(engl. extreme close-up, ECU, oder choker close-up)

stellt bestimmte Strukturen der Bildobjekte (Worte auf einem Bildschirm) und einzelner Körperpartien (Augen, Mund,...) heraus. Der Abbildungsmaßstab wird über den menschlichen Sehbereich hinaus vergrößert und erzeugt Intimität oder auch eine abstoßende Wirkung.

Italienische Einstellung
(engl. italian shot)

ist eine besondere Form der Detailaufnahme, bei der nur die Augenpartie des Darstellers gezeigt wird.


Weiterführende Informationen


Bildquellen

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