Videopraxis


Kurzfilm

Kurzfilme verdichten eine Geschichte in einem sehr reduzierten Handlungs- und Personengefüge. Sie verhalten sich zu abendfüllenden Spielfilmen wie Kurzgeschichten zu Romanen.

Ähnlich wie Spielfilme sind Kurzfilme symbolisch komponierte und vor der Kamera bewusst inszenierte Realität. Jede Einstellung ist bewusst gestaltet, ästhetisch aufgebaut, wird von Schauspielern gespielt und nicht dokumentarisch in der äußeren Realität gesucht.

Oft spielt die Handlung der Kurzfilme in einem sehr kurzen, extrem verdichteten Zeitraum, der wie zu einem eizigen Moment geschrumpft erscheint. Für diesen Moment nimmt der Film sich allerdings Zeit, vergrößert ihn wie unter einer Lupe.

Die Dauer des Films kann dabei sogar länger sein als die Zeitspanne, die erzählt wird. Ähnlich wie Kurzgeschichten frieren Kurzfilme eine kurze Episode quasi ein, lösen sie aus dem Kontext, verzichten auf Vorgeschichte und der Zukunft.

Die Geschichte (im Fall von "Schwarzfahrer") spielt innerhalb weniger Minuten, der Film ist 12 Minuten lang.

Der Kurzfilm Schwarzfahrer von Pepe Danquardt zeigt die Menschen in der Berliner Straßenbahn. Er nimmt sich Zeit für die unterschiedlichen Charaktere, die nicht miteinander agieren, sondern nebeneinander gelangweilt auf ihr jeweiliges Reziseziel warten. Einzige Aktive ist eine ältere Dame, die sich lauthals über einen Schwarzen mokiert, der sich neben sie gesetzt hat. Als der Kontrolleur nach den Karten verlangt, rächt sich, völlig überraschend, der Schwarze in einer Blitzaktion.

Bearbeiten · Historie · Hochladen · Aktuelle Änderungen · Druckansicht · Intern · Zuletzt geändert am 03.07.2008 15:45 Uhr