Videopraxis


Schnitt

Um die Kontinuität der Handlung zu bewahren, bleibt ein guter Schnitt für den Zuschauer unsichtbar, da er meist an Stellen vorgenommen wird, an denen der Zuschauer aufgrund des Handlungsablaufs sowieso einen Schnitt erwartet. Der Zuschauer wird damit nicht von einem Schnitt überrascht. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier...

Harter Schnitt

Die Verbindungs- bzw. Trennstelle von einer Einstellung zur nächsten bezeichnet man als eine Schnittstelle (engl. cut). In Abgrenzung von Überblendungen spricht man bei diesem klassischen und sehr oft verwendeten Schnitt oft von einem "hartem Schnitt". Harter Schnitt bedeutet jedoch eigentlich, dass zwischen zwei aufeinander folgenden Bildern keine direkte Verbindung besteht (örtlicher oder zeitlicher Wechsel), denn auch nicht überblendete Schnitte können für den Zuschauer als nicht bewusst wahrnehmbar gestaltet werden ("unsichtbarer Schnitt").

Blenden

Neben dem "harten Schnitt" können auch Auf- und Abblenden, Überblendungen und Trickblenden für den Schnitt eingesetzt werden.

  • Auf- und Abblende: Ein filmisches Gestaltungsmittel, das häufig eingesetzt wird um Szenen deutlich voneinander abzugrenzen, sind Auf- und Abblenden (engl. fade-in, fade-out). Das Bild erscheint also in der Regel aus dem "schwarz" und verschwindet ins "schwarz". Während eine Aufblende den Beginn einer Sequenz kennzeichnet, wird deren Ende durch eine Abblende markiert.
  • Überblende: Die Überblende (engl.: dissolve) steht im Gegensatz zum harten Schnitt, indem das alte Bild langsam ausgeblendet und das neue Bild gleichzeitig eingeblendet wird. Dadurch entsteht ein fließender Übergang zwischen beiden, was häufig verwendet wird um zwei zeitlich oder räumlich weit voneinander entfernte Szenen zu suggerieren.
  • Trickblende (zum Beispiel Wischblende): Wird beim Filmschnitt das alte Bild vom neuen weggeschoben, so spricht man von einer Wischblende (engl.: wipe). Diese Schnitttechnik ist äußerst selten und wird verwendet um eine gleichzeitige Handlung an verschiedenen Orten darzustellen.

Besondere Schnittarten

Es gibt eine Reihe von speziellen Schnittformen. Einige findest Du im folgenden erklärt:

Schnitt in der Bewegung

Beispiel: Eine Person hebt eine Tasse vom Tisch und führt sie zum Mund. Im Moment des Aufhebens wird in eine nahe Einstellung des gleichen Vorgangs geschnitten.

Man dreht, wenn es geht, immer in mehreren Einstellungsgrößen, um solche Bewegungsschnitte später zu ermöglichen. Es ist klar, dass die Person dabei den selben Vorgang mehrmals ausführen muss.

Für einen guten Bewegungsschnitt ist es hilfreich, dass man auf überlapptes Drehen achtet. Das heißt, dass man beim Dreh möglichst den gesamten Bewegungsablauf filmt, also wie das Objekt ins Bild kommt und aus dem Bild verschwindet.

Auch muss schon beim Drehen entsprechend geplant und auf die Anschlüsse geachtet werden. Wichtig ist auch der Bildaufbau, das heisst wenn eine Handlung in der vorgehenden Einstellung auf der linken Bildhälfte endet, muss sie in der nächsten Einstellung je nach Perspektive folgerichtig wieder ansetzen.

Schuss-Gegenschuss

Schuss-Gegenschuss (engl. Shot-Reverse-Shot) bezeichnet eine Sequenz von Einstellungen, die insbesondere in Dialogsituationen gebräuchlich ist.

Die Darsteller werden hierbei während ihres Dialoges abwechselnd gezeigt. So spricht Darsteller A ("Schuss"), daraufhin wird die Reaktion von Darsteller B gezeigt ("Gegenschuss"). Dabei bewegt sich die Kamera nur auf einer Seite der Dialogachse.

Cut-In / Cut-Out

Von "cut in" spricht man, wenn die Kamera nach einem Schnitt ihre Position nicht geändert hat, aber einen kleineren Bildausschnitt zeigt, d. h. hineingezoomt hat.

Wird der Bildausschnitt im Gegensatz dazu vergrößert, also herausgezoomt, spricht man von einem "cut out". Der eigentliche Zoomvorgang wird nicht gezeigt.

Match Cut

Cadrage (franz. le cadre, der Rahmen)
ist ein filmwissenschaftlicher
Begriff, der die Platzierung
von Gegenständen und Personen
innerhalb eines Rahmens beschreibt,
der identisch mit der Leinwand ist;
oder auch die Wahl des Bildausschnittes
einer Szene, bei der man die Platzierung
nicht selbst bestimmen kann.

Das Bildfeld, das vom Bildformat
eingeschlossen ist, heißt Kader,
der Rahmen des Bildausschnitts
Kadrierung.

Die Begriffe werden häufig
synonym verwendet.

Wird in eine Bewegung hinein geschnitten und diese in einem anderen Bildmotiv fortgesetzt, so bezeichnet man diese Technik des Filmschnittes als "match cut" (engl. to match = zusammenpassen).

Es ist die Verbindung zweier Einstellungen, die verschiedenen Handlungseinheiten entsprechen, also zeitlich und räumlich getrennt sind, durch die Inszenierung analoger, sich entsprechender Elemente innerhalb der Einzelbilder.

Die parallele Verwendung von Formen, Bewegungen oder anderer Bestandteile erzeugt Kontinuität, da die menschliche Wahrnehmung gleichartige, auf einander folgende Eindrücke als zusammengehörig begreift. Im Gegensatz zu einer normalen Überblendung werden die Bilder vom Ende der letzten Szene und vom Anfang der folgenden Szene von der Einstellung her so gewählt, dass sie einer Transformation gleich nahtlos ineinander überzugehen scheinen.

Jump Cut

Die 30-Grad-Regel besagt, dass
eine Einstellung aus einem Winkel
(bezogen auf die Achse Kamera-Bildinhalt)
aufgenommen sein sollte, der mindestens
um 30 Grad von der vorhergehenden
Einstellung abweicht, um einen flüssigen,
nicht als sprunghaft empfundenen Schnitt
zu gewährleisten.

Dabei muß die Einstellung so gewählt
werden, dass sie der 180-Grad-Regel
nicht widerspricht, da sonst ein
Achsensprung entstehen würde.

Ein "jump cut" bezeichnet einen Filmschnitt, der die klassischen Anschluss-Regeln bricht und die Aufmerksamkeit auf sich zieht, wodurch er für den Zuschauer irritierend sein kann. "Jump cuts" können auf unterschiedliche Weise entstehen, haben aber alle zur Folge, dass die Bildübergänge als "Sprung" wahrgenommen werden können:

  • Unterschiede im Bildanschluss/Bewegungsanschluss am Schnittübergang (z. B. die Körperhaltung einer Figur variiert plötzlich)
  • Missachtung der räumlichen Anschlüsse (die Figur "springt" und befindet sich plötzlich an einer anderen Stelle im Raum). Hierbei kann es sich um eine beabsichtigte zeitliche Auslassung im Handlungsstrang handeln.
  • Die Kombination von ähnlichen Einstellungsgrößen bei gleicher Kameraposition (Bruch der so genannten "30-Grad-Regel".)

Versetzter Bild-Ton-Schnitt / L-Cut / Akustische Klammer

Neben dem Schnitt nach visuellen Gesichtspunkten kann auch anhand des Tons geschnitten werden. Dabei ist der sogenannte L-cut, also das Überlappen des Tons einer Szene in die nächste oder vorhergehende Szene, eine Methode, eigentlich nicht passende Schnitte möglich zu machen. Die beiden Einstellungen werden „akustisch geklammert“. Der Ton geht dann während des Bildschnitts kontinuierlich weiter, was den Schnitt weniger auffallen lässt.

Insert

Bei dem Insert wird die Tonspur einer Szene mit anderen Bildern unterlegt.

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