Ökosozialer Ansatz
(in) der Sozialen Arbeit


Systemtheorien als leitende Theorien des Modells

Begrifflichkeiten / Abgrenzungen

Die Systemtheorie geht davon aus, dass die Elemente, die im Ökosozialen Ansatz betrachtet werden, in einem Wirkungsgefüge (zusammenhängend) vorliegen.

Ökosysteme sind Lebensgemeinschaften, die zwar nach aussen hin abgenzbar sind, aber nicht völlig isoliert bestehen; in einem System finden Austauschprozesse statt.

Der Begriff System soll somit als Ganzheit verstanden werden; in dieser Ganzheit wirken einzelne Teile des Systems zusammen und machen die entscheidende Dynamik aus. In komplexen Systemen bilden sich Teilsysteme, dies wird als Binnendifferenzierung bezeichnet. Das gesamte System wird dann (für seine Teilsysteme) zu einer internen Umwelt.

Systematisch bedeutet ein schrittweises und planmäßiges Vorgehen.

Systemisch ist das Denken, das versucht, ein System in seiner Dynamik zu begreifen.
Vorgänge in Systemen passieren nicht transparent und gradlinig, eine Ursache führt nicht immer zu einer vorhersagbaren Wirkung.

Systemtheorien schauen nicht nach isolierten Eigenschaften einzelner Objekte oder Handlungen / Situationen, sondern Systemtheorien schauen auf Zusammenhänge und Verknüpfungen



Die Lebenswelt als Gegensatz zum System?

"Die Lebenswelt eröffnet dem Subjekt das Feld der ihm möglichen Objekte, aber so, wie sie ihm, dem tätigen Menschen, Gegenstand sein können." (vgl. WENDT, 1990, S.83)

Der Begriff der Lebenswelt beschreibt ursprünglich alles, was einem Individuum zur Verfügung steht, von ihm genutzt werden kann und das Alltagsleben berührt.

  • wirtschaftliche Geschäfte
  • politische Teilhabe
  • Teilnahme am Verkehr
  • Genuss von Kultur
  • Fernsehen
  • u. v. m.

Lebenswelten unterscheiden sich stark, je nach Alter, Geschlecht, sozioökonomischen Hintergrund, Nationalität, etc.
Das selbe System, in dem sich verschiedene Menschen bewegen, wird als unterschiedliche Lebenswelt wahrgenommen!

Habermas (1981) hat bereits den Vorschlag gemacht, eine Gesellschaft sowohl als System als auch als Lebenswelt zu benennen: "Eine Gesellschaft ist aus der Teilnehmerperspektive handelnder Subjekte eine Lebenswelt, zugleich aber ein System von Handlungen, deren Zusammenhang über die funktionale Vernetzung von Handlungsfolgen stabilisiert wird." (HABERMAS zit. nach WENDT, 1990, S.84)

Habermas geht davon aus, dass die Lebenswelt drei strukturelle Komponenten beinhaltet:

  • Kultur (Wissensvorrat mit Interpretationsspielraum)
  • Gesellschaft (Ordnungen, Zugehörigkeiten zu sozialen Gruppen, Solidarität)
  • Persönlichkeit (Kompetenzen der Subjekte, die eigene Identität zu behaupten)

Ökosozial betrachtet kommentiert Wendt diese Aufstellungen so, dass er sagt, die Subjekte, die in ihrer Lebenswelt agieren, erkennen nicht, dass systemische Vorgänge ihre Handlungszusammenhänge beeinflussen: "In der Praxis bestehe also kein Grund, eine systemische Orientierung strikt von einer lebensweltlichen zu trennen." (vgl. WENDT, 1990, S.86)



Interventionsinstrument: Lebensweltanalyse

In systemischer Arbeit wird zwar die Gesamtheit betrachtet und analysiert, gearbeitet wird jedoch auch mit einzelnen Menschen des Systems.

Um die Lebensbedingungen von Menschen begreifen und folglich verbessern zu können, ist eine Einschätzung aus Sicht der betroffenen Person absolut notwendig; eine Möglichkeit, diese zu erfahren, ist die Lebensweltanalyse.

Für den Prozess einer Lebensweltanalyse muss sich der Sozialarbeiter / Sozialforscher vorbehaltslos auf die Perspektive einer Person einlassen, die Leitfrage (und somit das Interesse) lautet: Wie erfährt eine Person / Personengruppe ihre Welt?

Für den Prozess des Verständnisses einer Lebenswelt ist ein Interpretations- und Auswertungsverfahren notwendig, im Sinne der qualitativen Sozialforschung ist hier ein hermeneutisches Verfahren sinnvoll.

Um ein möglichst ganzheitliches Bild der Lebenswelt zu bekommen, werden neben der betroffenen Person auch noch Angehörige, Freunde, etc. angehört und deren Berichte beachtet.



Systeme organisiert auf verschiedenen Ebenen

Wie festgestellt, bewegen sich Menschen stets in ihrer Lebenswelt, dabei bewegen sie sich aber auch immer in Systemen; diese Systeme sind Subsysteme, die sich im Laufe der Zeit (und gesellschaftspolitischen Entwicklungen) herausgebildet haben:

  • Bildungssystem
  • Sicherungssystem
  • Verwaltungssystem
  • Rechtssystem
  • Familiensystem
  • etc.

Systeme sind im sozialen Kontext auf verschiedenen Ebenen organisiert (nach BRONFENBRENNER, 1991):

  • Mikrosysteme: Einzelne Menschen in unmittelbarem Lebenszusammenhang (Familien, Freundeskreis, Geschäftspartner, etc.)
hier agieren Sozialarbeiter, wenn sie in der Einzelfallhilfe oder Gruppenarbeit etc. tätig sind
  • Mesosysteme: Formelle und informelle Wechselbeziehungen zwischen Mikrosystemen (z. B. Elternhaus und Schule) sowie Beziehungen zwischen Mikrosystemen und dem Sozialleistungssystem (mit seinen Diensten, Einrichtungen)
  • Exosysteme: Sind Systeme, die nur indirekt auf Mikrosysteme Einfluss nehmen (z. B. ein Betrieb, eine Verwaltung) und zwar nur, wenn es beansprucht / gefordert wird.
  • Makrosysteme: Bedingungen der ökonomischen, politischen, kulturellen und technologischen Lebensverhältnisse (die Umwelt)
hier agieren Sozialarbeiter in Form von Gemeinwesenarbeit und Sozialraumarbeit / Sozialplanung

Bezüglich der Auswirkungen der Makrosysteme ist noch festzuhalten: das soziale Geschehen auf kleinster Ebene wird immer durchdrungen vom kulturellen, politischen und ökonomischen Geschehen.

Ökologische Orientierung bedeutet, dass alle Seiten des Prozesses, in dem sich Menschen, Gruppen und das Gemeinwesen entwickeln, wahrgenommen werden.

Sozialarbeit steht inmitten dieser Prozesse und wirkt auf verschiedenen Ebenen: Soziale Arbeit besteht aus zahlreichen Einzelhandlungen in unterschiedlichen Feldern.

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